Tourismus Newsletter DACH – KW 1/2026 im Überblick
Deutschland & Schweiz
Margendruck statt Auslastung: Österreich & Deutschland – der Trendreport 2026
Die Zahlen sind paradox: Österreichs Hotels sind gut gefüllt, vielerorts besser als 2019. Dennoch sinkt die wirtschaftliche Stimmung messbar. Der aktuelle Markt- und Trendreport der Tourismusberatung Prodinger offenbart das wahre Problem: Die reale Wertschöpfung fällt, obwohl nominelle Umsätze steigen. Seit 2017 hat die Branche knapp ein Drittel ihrer inflationsbereinigten Ertragskraft verloren.
Das zentrale Phänomen: Österreichs Wintertourismus verliert seine Selbstverständlichkeit. Steigende Beschneiungskosten, sinkende Planungssicherheit und abnehmende Erträge im März verändern das Geschäftsmodell grundlegend. Parallel wächst der Sommertourismus – doch viele Betriebe operieren mit einer „Winter-DNA“: Service-Level, Personalbesetzung und Immobilienkosten sind für Winter kalkuliert. Im Sommer, mit niedrigeren Raten, werden diese Strukturen zur Belastung.
Handlungsempfehlung: Überprüfen Sie Ihre Kostenlogik und Saisonalität. Budget- und Economy-Konzepte mit operativer Exzellenz gewinnen an Wert. Nicht Größe, sondern strategische Klarheit entscheidet.
Einheitliche Trinkgeldregelung ab 1. Jänner: Endlich Transparenz
Seit Montag ersetzt eine bundesweite Regelung das bisherige Chaos aus neun Landesbestimmungen. Die neuen Trinkgeld-Pauschalen sind gestaffelt nach Kostengruppe – von €65 für Kassenpersonal bis €100+ bei hohem Umsatz. Die Sozialabgaben sind neu berechnet, die Betriebe erhalten Planungssicherheit.
Besonderheit: Betriebe zahlen nur auf die festgesetzte Pauschale Abgaben, nicht auf tatsächlich eingegangene Trinkgelder. Nachzahlungsrisiken fallen weg. Mitarbeiter können zur individuellen Abrechnung optieren, wenn weniger Trinkgeld anfällt.
Handlungsempfehlung: Informieren Sie Ihr Team sofort. Die Pauschale ist auch eine Chance, den Fokus auf Serviceleistung und Gästezufriedenheit zu lenken – beides treibt echte Trinkgelder.
Tirol 2026: Olympische Bühne und Markenoffensive

Tirols Tourismuswirtschaft startet mit drei klaren Vorhaben: (1) Wiedereinführung von Einheimischentarifen für Seilbahnen und Attraktionen – eine Maßnahme gegen Übernutzung und für Bevölkerungsakzeptanz; (2) Bessere internationale Fluganbindung des Innsbrucker Flughafens; (3) Medienspektakel: Olympische Winterspiele 2026 (Mailand/Cortina), österreichisches Austria House mit Kulinarik und Destinationsmarketing. Neues Golfturnier „Austrian Alpine Open“ in Kitzbühel ergänzt die Event-Strategie.
Handlungsempfehlung: Nutzen Sie die Olympischen Spiele als Gelegenheit, internationale Medienkontakte zu knüpfen. Für regionale Betriebe: Optimieren Sie Ihre Buchungskanäle für kurzfristige Gäste.
Salzburg: Rekordsommer als Basis für Winteroffensive
Salzburg verzeichnete 13,5 Millionen Nächtigungen im Sommer 2025 – ein neuer Rekord. Das Mozart-Jahr 2026 soll diese Dynamik in die Wintersaison übersetzen. Mit Neujahrskonzerten, Mozartwoche und gezielten Kulturevents positioniert sich Salzburg als Ganzjahresdestination.
Handlungsempfehlung: Kulturaffine Gäste buchen kurzfristig und haben höhere Zahlungsbereitschaft. Integrieren Sie Kultur-Packages in Ihre Revenue-Strategie.
Deutschland & Schweiz: Dynamik, KI, Effizienz
DE: Mehrwertsteuer-Entlastung, aber Margendruck bleibt
Ab 1. Januar 2026 sinkt die MwSt. auf Speisen in der Gastronomie auf 7 Prozent – endlich eine Entlastung. Allerdings: Laut Umfragen werden Gäste diese Ersparnis kaum merken. Hotels sehen darin eine Chance, Preise besser zu justieren, aber nicht zu reduzieren. Der echte Druck kommt von Kostenseite: Fachkräftemangel, volatile Nachfrage, intensiverer Preisvergleich durch Gäste.
Gleichzeitig steigt der CO2-Preis auf €55–65/Tonne ab Januar – ein zusätzlicher Kostentreiber.
Handlungsempfehlung: Nutzen Sie die MwSt.-Ersparnis, um Margen zu stabilisieren, nicht für Preiskrieg. Digitalisierung von Check-in und Ordering wird zur Kostenbremse.
CH: Rekordnachfrage trifft Immobilien-Knappheit
Die Schweiz verzeichnete 37,9 Millionen Logiernächte bis Oktober 2025 – ein Anstieg. Graubünden (+4,9%), Zürich und Tessin führen. Sieben Regionen erzielen beste Sommerwerte seit über 30 Jahren. Gleichzeitig: Der Hotelimmobilienmarkt verknnappt, die Umnutzung von Gewerbeimmobilien zu Mixed-Use-Hospitality wird zum Thema. Das 2. Hotelimmobilien-Forum Schweiz am 13. Januar 2026 in Zürich beleuchtet Trends in Finanzierung und Repositionierung.
Handlungsempfehlung: Flexible Preismodelle (Revenue Management) sind nicht optional – sie sind existenziell. Statische Preislisten führen zu Umsatzverlusten.
Südtirol: Digitale Ordnung und Mega-Investitionen
Seceda-Seilbahn: Slot-System gegen Chaos
Ab Sommer 2026 führt die beliebte Seceda-Seilbahn im Grödnertal ein Online-Buchungssystem mit festen Zeitfenstern ein. Das Ziel: 3.000–4.000 Tagesgäste geordnet bewirtschaften. Zwei Drittel der Plätze gehen über das Online-Portal, ein Drittel bleibt für spontane Besucher (Einheimische, Card-Inhaber) reserviert.
Parallel: Massives Modernisierungsprojekt – Kapazität unterer Abschnitt von 1.200 auf 2.400 Personen/Stunde, Mittelstation 800 auf 2.400, Großparkplatz mit 500 Autoparkplätzen und Elektrobus-Shuttle zum Ortszentrum.
Das ist Capacity Management meets Overtourism-Lösung.
Handlungsempfehlung: Seilbahn-Betreiber und Tourismusverbände sollten ähnliche Slot-Systeme für ihre Peak-Attraktionen evaluieren. Digitale Steuerung reduziert Frustration und optimiert Ertrag.
Jenesien: €40-Millionen-Seilbahn-Vertrag unterzeichnet
Kurz vor Jahreswechsel unterzeichneten STA und Leitner den Vertrag für die neue Seilbahn Jenesien (Bozen–Hochplateau). Direkttrasse ohne Mittelstation, 2er-Kabinen à 45 Personen, 350 Pers./Stunde. Ausführungsplanung startet Januar, Baustart H2 2026 angepeilt. Intermodaler Knoten mit Fahrradabstellplätzen und Parkplätzen für Pendler – ein Mobilitätsprojekt mit touristischem Mehrwert.
Handlungsempfehlung: Solche Infrastruktur-Projekte schaffen langfristige Wertschöpfung. Betriebe in der Nähe sollten jetzt schon ihre Kapazitäten planen.
Innovation & Regulatorisches: KI und neue Arbeitsmarkt-Regeln
KI-Datenschutz ab 2026: Was Sie wissen müssen
Neue DSGVO-Regel ab 2026: Hotels müssen für das Training von KI-Modellen mit Gästedaten eine separate, ausdrückliche Zustimmung einholen. Das bedeutet konkret: Check-in-Prozesse müssen überarbeitet werden. Datenschutz wird zur Wettbewerbsvariable – Gäste werden sensibilisiert.
Gleichzeitig: KI-Tools für Warenverfügbarkeit, Preisoptimierung und Gästekommunikation gewinnen an Bedeutung. Die Integration fragmentierter Systeme spart Hotels 17–19% der Betriebskosten ein.
Handlungsempfehlung: Auditieren Sie Ihre Datenschutz-Prozesse jetzt. Implementieren Sie eine zentrale PMS-Lösung mit KI-Backbone – das ist die Zukunft.
Österreich: Neue Arbeitsmarkt-Maßnahmen ab 1. Jänner

Saisonkontingentverordnung 2026: 5.500 fixe Plätze für Fachkräfte aus Drittstaaten, in Spitzenmonaten bis zu 8.000. Tourismusbeschäftigtenfonds mit €6,5 Mio./Jahr ab sofort aktiv – für Qualifizierung, Wohnraum und Überführung von Saisonjobs in Ganzjahresanstellung.
Nebeneffekt: 15 Überstundenzuschläge bis €170/Monat sind ab 2026 nicht steuerpflichtig. Feiertagsarbeitsentgelt soll steuerfrei werden. Das entlastet Betriebe und Mitarbeiter zugleich.
Handlungsempfehlung: Nutzen Sie diese Steuervergünstigungen für die Personalplanung. Der Fonds bietet neue Chancen für langfristige Team-Entwicklung statt klassischem Saisonal-Import.
Zum Abschluss: Was 2026 wirklich bedeutet
Die Botschaft ist klar: Wer 2026 erfolgreich sein will, braucht strategische Klarheit, digitale Integration und echte Personalentwicklung. Die Zeiten der reinen Auslastungs-Optimierung sind vorbei. Betriebe mit klarer Positionierung, operativer Exzellenz und Gäste-Fokus setzen sich durch. Für den DACH-Tourismus bedeutet 2026: Betriebe, die in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Südtirol strategisch klar positioniert sind und digitale Werkzeuge konsequent nutzen, setzen sich durch.
Ihre nächsten Schritte
Sie führen eine Destination, ein Hotel, ein Restaurant oder eine Seilbahn-Gesellschaft? Ich unterstütze Sie:
- Destinationsmarketing: Strategien für Ganzjahrestourismus und internationale Märkte
- KI-Training & Workshops: Praktische Implementierung von KI in Hotel- und Gastro-Alltag
- Business Coaching: Change-Management für Organisations- und Personalentwicklung
Kontakt: kontakt@gernot-riedel.com
Dieser Newsletter basiert auf Recherchen aus österreichischen Fachmedien (TAI, ÖGZ/gast.at, Kleine Zeitung), deutschen und schweizer Hospitality-Publikationen sowie Branchenberichten von ÖHV, Prodinger Tourismusberatung und regionalen Tourismusbehörden. Alle Angaben ohne Gewähr, Stichtag: 6. Januar 2026.
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