Liebe Leser:innen und Tourismusinteressierte,
das Jahr 2025 neigt sich dem Ende entgegen – und die Tourismusbranche verabschiedet sich mit starken Signalen. Wintersaison im Rekordtempo, europäische Rechtsprechung gegen Buchungsplattformen, neue Luxushotels und innovative Lösungen für Besucherströme prägen die aktuelle Woche.
Vorab jedoch ein paar persönliche Worte: dieses Jahr war für mich ein Jahr der gravierenden Ereignisse – beginnend mit einer mehr als 3-monatigen Unfallpause über die erfreulich rasche Genesung bis zur Gründung meiner eigenen Firma als KI Trainer, Consultant und Business Coach im Tourismus und meinem Abschluss als 1.TÜV zertifiziertem KI Trainer in Österreich. Und – nicht zu vergessen, mein drittes Enkelkind wurde auch geboren….danke für all diese Erfahrungen, Erkenntnisse und damit verbundene Weiterentwicklung. Soweit so gut zum persönlichen….
In dieser Ausgabe:
- Österreich: 5,7 Mio. Nächtigungen im November – historischer Rekord
- Deutschland: 30,93 Mio. Übernachtungen im Dezember – Allzeithöchstwert
- Booking.com-Urteil: Berliner Gericht stärkt Hoteliers im Kampf gegen Paritätsklauseln
- Südtirol: Seceda-Seilbahn führt digitales Slot-Booking-System ein
- KI im Tourismus: Hotels investieren 500+ Stunden/MA in Systemmanagement
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ÖSTERREICH – WINTERSAISONREKORD UND STRATEGISCHE SIGNALE
5,7 Mio. Nächtigungen: November schreibt österreichische Geschichte
Der heimische Tourismus ist mit beeindruckenden Zahlen in die Wintersaison 2025/26 gestartet. Mit 5,73 Millionen Nächtigungen im November verbuchte Österreich den höchsten November-Wert seit Beginn der digitalen Aufzeichnungen im Jahr 1974 – ein Plus von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders die ausländischen Gäste zeigen Appetite: Ihre Nächtigungen stiegen um 9,0 Prozent. Statistik Austria-Generaldirektorin Manuela Lenk betont die internationale Nachfragedynamik als Treiber.
Handlungsempfehlung: Destinationen sollten ihre Infrastruktur für Peak-Zeiten prüfen und Qualitätsstandards konsequent halten – hochvolumige Gästeströme erfordern robuste Prozesse in Hotellerie, Gastronomie und Seilbahnen.
Wien: Phänomenale Dezember-Erwartungen
Wien erlebt einen beispiellosen Boom: 1,7 Millionen Nächtigungen im November (plus 9 Prozent), und für Dezember werden neue Rekordzahlen erwartet – möglicherweise über 2 Millionen Übernachtungen. Die Adventsmärkte haben sich als Demand-Driver etabliert und ziehen insbesondere 4- und 5-Stern-Segment-Gäste an.
Mandarin Oriental Wien: Luxus-Debüt im 1. Bezirk
Nach leichten Verzögerungen öffnete das Mandarin Oriental Vienna am 1. Dezember seine Pforten – das erste österreichische Haus der renommierten Marke. Das denkmalgeschützte Gebäude an der Riemergasse (ehemaliges Handelsgericht) beherbergt 138 Zimmer, 25 Residenzen, ein 700 m² Spa mit Indoor-Pool und vier Restaurants (Le Sept, Atelier 7, Izakaya & Bar, Café). Ein Zeichen für die anhaltende Aufwertung der Wiener Hotellerie im Luxussegment.
Handlungsempfehlung: Regionale Destinationen können von Wien-Erfolgsgeschichten lernen: Heritage-Gebäude und Kulturerbe sind Assets für hochpreisige Segmente. Verknüpfungen mit Kulturangeboten und lokaler Kulinarik erhöhen den Mehrwert.
Vision T: Nationale Tourismusstrategie mit Investitionen im Rekordjahr
Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner bilanziert 2025 mit 537 Millionen Euro ausgelöstetem Investitionsvolumen – ein Rekordwert. Die Strategie „Vision T“ wird auf Basis von über 5.000 Brancheneingaben entwickelt und zielt auf langfristige Stabilität, Fachkräfteentwicklung und Nachhaltigkeit. Besondere Maßnahmen gelten für Betriebsübergaben im ländlichen Raum.
Booking.com-Urteil: Berliner Gericht setzt starkes Signal
Das Landgericht Berlin verurteilte die Buchungsplattform Booking.com am 17. Dezember zu Schadenersatz wegen kartellrechtswidriger Bestpreisklauseln (2013–2016). Die Entscheidung bestätigt die Wettbewerbswidrigkeit der „Paritätsklauseln“ – ein Meilenstein für etwa 750 österreichische Hotelbetriebe, die sich einer europäischen Sammelklage angeschlossen haben. Die ÖHV sieht darin „wichtigen Rückenwind“ für eine schnelle Entscheidung in Amsterdam.
Handlungsempfehlung: Hoteliers sollten ihre Beteiligung an der Sammelklage prüfen; der Prozessfinanzierer trägt alle Kosten. Parallel sollten Direktbuchungskanäle und Alternativen zu Booking.com systematisch gestärkt werden.
DEUTSCHLAND – DEZEMBER BRICHT REKORDE, GASTGEWERBE UNTER DRUCK
30,93 Millionen Übernachtungen im Dezember: Historischer Höchstwert
Deutschland verbucht im Dezember 2025 einen neuen Allzeit-Rekord: 30,93 Millionen Übernachtungen – das höchste Dezember-Aufkommen in der Tourismusgeschichte. Der gesamte Winter 2024/25 bilanziert mit 115,3 Millionen Übernachtungen als zweitstärkster Winter aller Zeiten (nach 2019/20). Besonders Städte und Küstenregionen profitieren vom Aufwärtstrend.
Gastgewerbe im Spannungsfeld: Stabilisierte Preise, aber Umsatzrückgang
Während die Hotellerie eine solide RevPAR von rund 67 Euro erreicht (bei moderater Preissteigerung von nur +0,8 Prozent), leidet das Gastgewerbe. Der Geschäftsklimaindex liegt bei minus 8 – der niedrigste Wert seit Frühsommer 2022. Der reale Umsatzrückgang in der Gastronomie betrug 2024 inflationsbereinigt -3,8 Prozent.
Handlungsempfehlung: Gastronomie-Betriebe sollten differenzieren: Saisonale Spezialitäten, Nachhaltigkeit und regionale Produkte helfen gegen Preisdruck. Konzertierte Marketingaktionen mit Hotellerie verstärken die Nachfragesignale.
SCHWEIZ – NOVEMBER MIT BREMSERN, ABER WINTER STABIL
November mit leichtem Minus: Erste Delle nach Aufwärtstrend
Die Schweizer Hotellerie verbucht im November einen Logiernächte-Rückgang von 0,5 Prozent – die erste negative Quote seit Februar 2025. Der Winter 2024/25 insgesamt bleibt mit +2 Prozent stabil, unterstützt durch hervorragende Schneelagen und starke ausländische Nachfrage (besonders Vereinigte Staaten, Frankreich).
Basel & Baselland: Lokale Tourismus-Initiativen im Januar
Basel Tourismus und Baselland Tourismus starten im Januar 2026 Einwohner-Aktionen: „Z Gascht in dynere Stadt“ / „Entdeck dis Baselbiet“ locken mit exklusiven Hotel-Sonderpreisen (ab CHF 69 für 1–2-Sterne, bis CHF 149 für 4-Sterne) – ein Modell zur Stabilisierung der Nebensaison und zur Stärkung der lokalen Wertschöpfung.
Handlungsempfehlung: Dieser Ansatz ist transferierbar auf österreichische und deutsche Regionen: Einwohner- und Nahmarkt-Aktivierung in Januar–Februar stabilisiert Auslastung und schafft Betriebssicherheit.
SÜDTIROL – DIGITALE KAPAZITÄTSSTEUERUNG UND MODERNISIERUNG
Seceda-Seilbahn: Online-Buchungssystem ab Sommer 2026
Die legendäre Seceda-Seilbahn im Grödnertal führt ab Sommer 2026 ein digitales Buchungssystem ein, um Besucherströme zu steuern. Zwei Drittel der Kapazität werden online mit festen Zeitfenstern vergeben, ein Drittel bleibt für spontane Besucher reserviert. Parallel wird die Beförderungsleistung massiv ausgebaut: von 1.200 auf 2.400 Personen/Stunde im unteren Abschnitt und von 800 auf 2.400 p/h ab der Mittelstation. Ein Großparkplatz (1 km entfernt) mit Elektrobussen soll das Ortszentrum St. Ulrich entlasten.
Handlungsempfehlung: Dieses Modell adressiert alle europäischen Overtourism-Hotspots: Digitale Slot-Verwaltung + Kapazitätsausbau + dezentrale Mobilität = nachhaltiges Management. Österreichische Alpen-Destinationen sollten ähnliche Pilot-Projekte prüfen (z.B. Königspitze, Rax).
Euregio-Ticket ab 1. Januar 2026
Mit dem neuen Euregio-Ticket erleichtert sich das Reisen zwischen Tirol, Südtirol und Trentino ab 1. Januar 2026 deutlich – ein starkes Signal für Mobilitätsintegration und Destination-Cluster-Bildung.
KI & INNOVATION: HOTELLERIE IM DIGITALEN WANDEL
KI als Backoffice-Revolutionär
Branchenanalysen zeigen: Hotels nutzen durchschnittlich fünf verschiedene Tools und investieren damit über 500 Arbeitsstunden pro Mitarbeitendem jährlich in „Systemdschungel“-Management. 2026 wird KI verstärkt im Hintergrund arbeiten – bei Warenverfügbarkeit, Datenbereiningung und Gäste-Journey-Optimierung. Wien-basierte WKÖ und ÖGZ bieten ab Februar 2026 praxis-orientierte Schulungen.
Handlungsempfehlung: Hoteliers sollten ihre Tool-Landschaft konsolidieren und KI als „Co-Pilot“ einführen, nicht als Ersatz für persönliche Gästebetreuung. Integration über cloudbasierte Plattformen (PMS + Reservierungen + Warenwirtschaft + Kasse) ist Voraussetzung für KI-Effizienz.
FAZIT UND AUSBLICK
Die Weihnachtswoche 2025 zeigt ein geteiltes Bild: Hotellerie und Wintertourismus florieren; Gastronomie und kleinere Regionen kämpfen gegen Kostendruck. Europäische Rechtsprechung rückt Booking.com unter Druck, während digitale Lösungen (Slot-Booking, KI, integrierte Systeme) Nachhaltigkeit und Qualität versprechen. Betriebe, die jetzt in Fachkräfte, Digitalisierung und Destination-Cluster investieren, werden 2026 deutliche Wettbewerbsvorteile haben.
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Gernot Riedel – 32 Jahre Tourismusführung, TÜV-zertifizierter KI-Trainer, Business Coach
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Einen guten Rutsch und ein erfolgreiches 2026!
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