Tourismus Newsletter DACH KW 43: Rekord trotz Rückgang
Willkommen zum Tourismus Newsletter DACH KW 43. Diese Ausgabe ist ein DACH Tourismus Monitor mit den aktuellen Nächtigungszahlen aus Österreich, Südtirol, der Schweiz und Bayern – und die zeigen ein uneinheitliches Bild. Deutschland meldet trotz schwächerem August einen neuen Rekord, Österreich bremst leicht ab, die Schweiz legt im September deutlich zu. Dazu: Westeuropas Reiselust auf die USA sinkt weiter, Lufthansa greift bei TAP Air Portugal zu, und die ÖHV warnt vor sinkenden Erträgen trotz stabiler Nächtigungen.
🌍 Trend der Woche: Westeuropas Reiselust auf die USA sinkt weiter – Deutschland mittendrin
Die US-Regierung meldet für September 2026 den nächsten Rückgang bei den Übersee-Ankünften: 2,7 Millionen Besucherinnen und Besucher aus Übersee kamen in die Vereinigten Staaten, 4,3 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Seit Jahresbeginn liegt das Minus bei 5,7 Prozent, nachdem der August mit fast 12 Prozent Rückgang noch deutlicher ausgefallen war. 13 der 20 wichtigsten Herkunftsmärkte verzeichneten im September Rückgänge.
Den größten Anteil am Rückgang trägt Westeuropa: Rund 89.000 der insgesamt fehlenden Besucher – etwa drei Viertel des gesamten Monatsminus – entfallen auf diese Region. Frankreich verzeichnete minus 15 Prozent, die Niederlande minus 13 Prozent, Irland minus 12 Prozent, Deutschland und Italien je minus 10 Prozent. Zuwächse aus China, Taiwan und Indien konnten den Rückgang nicht ausgleichen.
Für den DACH-Raum ist das doppelt relevant: Erstens zeigt der deutsche Rückgang von 10 Prozent, dass preissensible oder politisch verunsicherte Reisende aus dem deutschsprachigen Raum Fernreisen in die USA zurückstellen – ein Signal auch für Reisebüros und Fluggesellschaften mit US-Destinationen im Programm. Zweitens könnte ein Teil dieser nicht angetretenen USA-Reisen in europäische und alpine Ziele umgelenkt werden – ein Potenzial, das DACH-Destinationen aktiv bewerben könnten.
Für die Praxis: Wer US-Reisen vertreibt, sollte das Buchungsverhalten der DACH-Kundschaft jetzt genau beobachten. Destinationen im Alpenraum können die sinkende USA-Reiselust als Anlass nehmen, verstärkt auf verlagerte Reisebudgets zu zielen.
Quelle: National Travel and Tourism Office (NTTO), U.S. Department of Commerce, 16.10.2026 und Skift, 16.10.2026
📊 DACH Tourismus Monitor – August/September 2026
Die aktuellen Nächtigungsstatistiken für August und September 2026 liegen vor. Der Tourismus Newsletter DACH KW 43 bringt die wichtigsten Kennzahlen aus Österreich, Südtirol, der Schweiz und Bayern im Überblick.
Österreich: Nächtigungsplus im Sommer bremst sich im August leicht ein
Statistik Austria meldet für August 2026 21,33 Millionen Nächtigungen – ein Minus von 0,1 Prozent gegenüber August 2025 – bei 6,22 Millionen Ankünften (plus 0,6 Prozent). Auf ausländische Gäste entfielen 16,08 Millionen Nächtigungen (plus 0,1 Prozent), auf inländische 5,25 Millionen (minus 0,5 Prozent). Kumuliert von Jänner bis August 2026 bleibt Deutschland mit 43,89 Millionen Nächtigungen (plus 0,9 Prozent) der wichtigste Herkunftsmarkt, gefolgt von den Niederlanden mit 9,40 Millionen (plus 1,0 Prozent); den stärksten relativen Zuwachs verzeichnete Tschechien mit plus 10,6 Prozent auf 3,59 Millionen.

Bundesländer (August 2026): Tirol 6,47 Mio. (+0,1 %), Salzburg 4,14 Mio. (−1,0 %), Kärnten 2,89 Mio. (+0,8 %), Steiermark 1,96 Mio. (−1,2 %), Wien 1,91 Mio. (−0,2 %)
Quelle: Statistik Austria, Ankünfte/Nächtigungen August 2026, veröffentlicht 25.9.2026
Südtirol: Wachstum hält an, aber langsamer als im Frühsommer
ASTAT meldet für August 2026 (vorläufige Werte, veröffentlicht 21.9.2026) 1.346.245 Ankünfte (plus 3,7 Prozent gegenüber August 2025) und 6.235.012 Übernachtungen (plus 1,0 Prozent). Wichtigste Herkunftsmärkte bleiben Italien mit 47,9 Prozent und Deutschland mit 33,8 Prozent Anteil an den Übernachtungen. Stärkste Talschaft war erneut das Pustertal mit 31,3 Prozent Anteil (plus 1,6 Prozent), vor dem Burggrafenamt mit 21,3 Prozent (plus 0,4 Prozent). Bei den Kategorien liefen die Fünf-Sterne-Betriebe mit plus 13,0 Prozent weiterhin am stärksten, während Ein-Stern-Betriebe (minus 7,3 Prozent) und Drei-Sterne-Betriebe (minus 3,2 Prozent) Übernachtungen verloren.
Quelle: ASTAT, Tourismus – August 2026, veröffentlicht 21.9.2026
Schweiz: Logiernächte legen im September deutlich zu
Nach der ersten Schätzung des Bundesamts für Statistik (BFS) stiegen die Logiernächte der Schweizer Hotellerie im September 2026 um 5,5 Prozent gegenüber September 2025 – getragen von ausländischen Gästen (plus 6,4 Prozent) ebenso wie von inländischen (plus 4,4 Prozent). Absolute Zahlen liegen für die Erstschätzung noch nicht vor. Kumuliert von Jänner bis August 2026 zählte die Schweiz 30,2 Millionen Logiernächte, ein Minus von 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Quelle: Bundesamt für Statistik (BFS), Erste Schätzung September 2026, veröffentlicht 15.10.2026
Deutschland und Bayern: neuer Rekord trotz schwächerem August
Das Statistische Bundesamt (Destatis) meldete am 9.10.2026 für August 2026 58,7 Millionen Übernachtungen – ein Minus von 1,1 Prozent gegenüber August 2025, getragen von rückläufigen Inlandsgästen (48,8 Mio., minus 1,6 Prozent) bei gleichzeitig zulegenden Auslandsgästen (9,9 Mio., plus 1,3 Prozent). Kumuliert von Jänner bis August 2026 ergibt sich mit 340,8 Millionen Übernachtungen dennoch ein neuer Rekordwert für diesen Zeitraum – ein Plus von 0,5 Prozent und 1,4 Millionen mehr als der bisherige Höchstwert von 339,4 Millionen aus dem Jahr 2024. Bundesländer-Detailergebnisse will Destatis laut eigener Ankündigung erst Ende Oktober 2026 veröffentlichen.

Das Bayerische Landesamt für Statistik meldete für August 2026 rund 4,6 Millionen Gästeankünfte (plus 0,6 Prozent) und rund 12,2 Millionen Übernachtungen (plus 0,4 Prozent) gegenüber August 2025, bei 11.412 geöffneten Beherbergungsbetrieben. Kumuliert von Jänner bis August 2026 ergeben sich 28,2 Millionen Ankünfte (plus 2,6 Prozent) und 70,7 Millionen Übernachtungen (plus 1,2 Prozent).
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung Nr. 361, 9.10.2026 und Bayerisches Landesamt für Statistik, Pressemitteilung PM 278/2026/57/G, 9.10.2026
🇦🇹 Österreich
ÖHV-Winterausblick: Hotels erwarten sinkendes Betriebsergebnis trotz stabiler Nächtigungszahlen
Laut der „Inside-Winterumfrage“ der Österreichischen Hotelvereinigung (ÖHV) vom 14. Oktober 2026 rechnen die teilnehmenden Betriebe für die Wintersaison 2026/27 mit stabilen Nächtigungszahlen, aber einem um 1,3 Prozent sinkenden Betriebsergebnis. Der nominelle Umsatz soll nur um 1,2 Prozent steigen. 90 Prozent der befragten Hotels geben gestiegene Kosten nicht oder nicht vollständig an die Gäste weiter: 68 Prozent nur teilweise, 22 Prozent gar nicht. 88 Prozent nennen die Beschäftigungskosten als Hauptbelastung, 56 Prozent bürokratische Anforderungen.
Die ÖHV verweist zusätzlich auf WIFO-Prognosen: Die reale Wertschöpfung in Beherbergung und Gastronomie soll 2026 um 0,6 Prozent wachsen, während die real verfügbaren Haushaltseinkommen um 1,0 Prozent sinken sollen. ÖHV-Präsident Walter Veit wird zitiert: „Die Kosten steigen stärker als der Umsatz. Dann fehlt Geld für Investitionen.“ 40 Prozent der Betriebe reduzieren laut Umfrage ihre Investitionen.
Für die Praxis: Prüfen Sie vor Saisonstart Ihre Preisstrategie und Investitionsplanung auf Basis der erwarteten Margenentwicklung, statt sich allein auf stabile Nächtigungszahlen zu verlassen.
Quelle: Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV), Pressemitteilung, 14.10.2026
Skisaison 2026/27 startet früh am Gletscher – während der Gletscherbericht Alarm schlägt
Mit dem Kaunertaler Gletscher ging am 17. Oktober 2026 das nächste Tiroler Gletscherskigebiet in die Saison 2026/27, nach dem Stubaier Gletscher (seit 9. Oktober) und den bereits laufenden Liften in Sölden. Der Mölltaler Gletscher in Kärnten folgt am 23. Oktober. In Sölden steigt am 24./25. Oktober wie gewohnt der Weltcup-Saisonauftakt mit Riesenslalom, erwartet werden über 30.000 Zuschauerinnen und Zuschauer.
Der frühe Saisonstart steht in auffälligem Kontrast zum Gletscherbericht des Österreichischen Alpenvereins: Von 96 vermessenen Gletschern sind 94 geschrumpft, im Schnitt um 20,3 Meter, am stärksten der Alpeiner Ferner in Tirol mit 114,3 Metern. Glaziologe Andreas Kellerer-Pirklbauer spricht von einer Phase „strukturellen Zerfalls“.
Für die Praxis: Wer auf Gletscherskigebiete als Saisonverlängerung setzt, sollte die Investitionsplanung an den Befunden des Alpenvereins spiegeln, nicht nur am aktuellen Saisonstart.
Quelle: news.at, 16.10.2026, Gletscherdaten: Österreichischer Alpenverein, Gletschermessbericht 2024/25, 13.3.2026
Camping Star 2026: ÖCC und Messe Wels küren Österreichs beste Campingplätze
Der Österreichische Camping Club (ÖCC) und Messe Wels haben beim Caravan Salon Austria 2026 zum zweiten Mal den „Camping Star“ vergeben. Eine Fachjury bewertete Servicequalität, Ausstattung, Nachhaltigkeit und Zielgruppenangebote in vier Kategorien: Sportcamp Woferlgut (Sport- und Aktivcamping), Camping Sölden (Spa- und Relax-Camping), Ferienparadies Natterer See (Glamping & Lodges) und Natürlich HELL – Camping & Aparthotel (Nachhaltiges Camping). Eine Publikumsjury kürte zusätzlich das Aufenfeld Ferienresort Zillertal zum „Lieblings-Campingplatz“ und den Secret Koi Garden im Ferienparadies Natterer See zur besten „Camping Innovation“.
ÖCC-Präsident Tomas Mehlmauer verweist darauf, dass sich die Campingnächtigungen in Österreich seit Jahren auf sehr hohem Niveau bewegen. Messe-Wels-Leiterin Petra Leingartner bezeichnet den Camping Star als „starkes Zeichen für Qualität und Authentizität im österreichischen Campingtourismus“.
Für die Praxis: Die Kategorien zeigen, worauf es Gästen abseits reiner Stellplatzzahlen ankommt – Nachhaltigkeit, Wellness und Erlebnisangebote sind auch im Campingsegment Differenzierungsmerkmale gegenüber dem Mitbewerb.
Quelle: ÖAMTC/Österreichischer Camping Club (ÖCC), Pressemitteilung, 19.10.2026
🇩🇪 Deutschland
Ransomware-Angriff auf Seetelhotels: Betrieb läuft weiter, Datenleck nicht ausgeschlossen
Die Seetelhotels-Gruppe, ein familiengeführtes Unternehmen mit 16 Hotels auf Usedom und Mallorca sowie rund 500 Mitarbeitenden, wurde Opfer eines Ransomware-Angriffs auf Teile ihrer IT-Infrastruktur. Die interne IT-Abteilung entdeckte den unautorisierten Zugriff am 10. Oktober 2026 und isolierte betroffene Systeme umgehend. Der Hotelbetrieb ist nach Unternehmensangaben weitgehend nicht beeinträchtigt, Anfragen können aber verzögert bearbeitet werden.
Ob personenbezogene Daten von Gästen, Mitarbeitenden oder Geschäftspartnern betroffen sind, untersucht derzeit eine externe IT-Sicherheitsfirma forensisch; ein Datenleck schließt das Unternehmen bislang nicht aus. Die Datenschutzbehörde von Mecklenburg-Vorpommern und das Landeskriminalamt wurden informiert.
Für die Praxis: Prüfen Sie, ob Ihr Unternehmen im Ernstfall vergleichbar schnell reagieren könnte – von der Isolierung betroffener Systeme bis zur Meldung an Datenschutzbehörde und Kriminalpolizei – und ob Kommunikationsvorlagen für Gäste und Partner bereits vorbereitet sind.
Quelle: AHGZ (Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung), 16.10.2026
Rheinland-Pfalz senkt Förderschwelle für Tourismusbetriebe vor Bundesgartenschau 2029
Das Wirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz hat sein Förderprogramm zur Optimierung der Angebotsqualität in der Tourismuswirtschaft neu ausgerichtet. Die Mindestinvestitionssumme sinkt von 125.000 auf 50.000 Euro; Investitionen bis 600.000 Euro können künftig mit bis zu 50 Prozent der förderfähigen Kosten unterstützt werden, größere Vorhaben mit bis zu 20 Prozent. Antragsberechtigt sind Betriebe ab zehn Beherbergungseinheiten, zwanzig Campingstellplätzen oder gastronomische Betriebe mit mindestens zwanzig Innensitzplätzen; gefördert werden künftig nur Betriebe mit nachgewiesener Online-Buchbarkeit.
Die Neuausrichtung wird mit der Bundesgartenschau im Mittelrheintal 2029 begründet.
Für die Praxis: Betriebe im Mittelrheintal und darüber hinaus sollten die niedrigeren Förderschwellen und die neue Pflicht zur Online-Buchbarkeit bei anstehenden Investitionsentscheidungen prüfen – auch außerhalb der unmittelbaren Bundesgartenschau-Region.
Quelle: AHGZ/dpa, 16.10.2026
🇨🇭 Schweiz
Markenanteil im Schweizer Hotelmarkt steigt auf 35,6 Prozent
Der Anteil der Markenhotels am gesamten Schweizer Zimmerangebot ist von 34,2 auf 35,6 Prozent gestiegen. Das zeigt der „DACH Hotel & Chains Report 2026“ von Horwath HTL, der die Marktentwicklung in Deutschland, Österreich und der Schweiz vergleicht. Für die Schweiz zählt der Report per Mitte 2026 536 Markenhotels mit insgesamt 51.050 Zimmern.
Der Report ordnet die Schweizer Entwicklung in den DACH-weiten Trend einer fortschreitenden Konsolidierung und Markenbildung im Hotelmarkt ein.
Für die Praxis: Wenn Sie ein unabhängiges Haus führen, lohnt sich der Blick auf die Markenentwicklung in Ihrer Region – sie beeinflusst Vertriebskosten, Gästeerwartungen und den Wettbewerb um Vertriebskanäle gegenüber Kettenbetrieben.
Quelle: htr.ch, 16.10.2026
Bundesamt für Verkehr genehmigt Großprojekt am Eggishorn
Das Bundesamt für Verkehr hat der Aletsch Bahnen AG im September 2026 die definitive Plangenehmigung für ein Großprojekt am Eggishorn erteilt: eine neue Luftseilbahn, ein Restaurant und eine touristische Erlebnisinszenierung zur Stärkung des Sommergeschäfts. Baustart ist für Frühjahr 2027 vorgesehen, Eröffnung für Dezember 2028.
Im Geschäftsjahr 2025/26 stieg der Sommerverkehrsumsatz der Aletsch Bahnen AG um 8,5 Prozent auf 6,84 Millionen Schweizer Franken, was 19,6 Prozent des Jahresumsatzes entspricht.
Für die Praxis: Das Projekt zeigt, wie Bergdestinationen gezielt in Sommerangebote investieren, um die Abhängigkeit von der Wintersaison zu reduzieren – ein Vergleichsfall für eigene Diversifizierungsüberlegungen in alpinen Lagen.
Quelle: htr.ch, 15.10.2026
🇮🇹 Südtirol
HGV wird zum Hotel & Gastronomieverband: neuer Markenauftritt zur Messe Hotel
Der Südtiroler Hoteliers- und Gastwirteverband hat seinen Markenauftritt überarbeitet und tritt künftig als Hotel & Gastronomieverband auf, behält aber die Abkürzung HGV. Das bekannte HGV-Gelb bleibt erhalten, wird aber mit dunklem Grün und einer moderneren Formensprache kombiniert. Leitbotschaft des neuen Auftritts ist „Gastlichkeit braucht Rückhalt“. Die Premiere erfolgte zur Messe Hotel 2026 in Bozen, die am 19. Oktober eröffnet wurde.
HGV-Präsident Klaus Berger begründet den Schritt damit, dass sich die Branche verändere: Neue Generationen übernehmen Betriebe und stellen andere Anforderungen an den Verband. Direktor Raffael Mooswalder will den Mehrwert für die rund 4.500 Mitgliedsbetriebe sichtbarer machen; der bisherige Name des Verbands stammt aus dem Jahr 1968.
Für die Praxis: Für Mitgliedsbetriebe ändert sich operativ zunächst nichts – der neue Auftritt betrifft Kommunikation und Erscheinungsbild des Verbands, nicht dessen Leistungen oder Mitgliedsbeiträge.
Quelle: Südtirol News, 18.10.2026
Kurzzeitvermietungen in Südtirol wachsen fast dreimal so schnell wie in Italien
Laut der Studie „Turismo e shadow economy“ des italienischen Hotelverbands Federalberghi (veröffentlicht Oktober 2026, Erhebungsraum: Airbnb-Angebote in Italien, inkl. gesonderter Auswertung für Südtirol) stieg die Zahl der Airbnb-Unterkünfte in Südtirol zwischen August 2025 und August 2026 um 19,9 Prozent auf 9.351 Angebote – im italienischen Durchschnitt lag das Wachstum bei 7,2 Prozent. 88,2 Prozent der Südtiroler Angebote sind ganze Wohnungen, 87,8 Prozent stammen von Anbietern mit mehreren Objekten – beide Werte liegen deutlich über dem italienischen Durchschnitt.
Der HGV verweist zudem darauf, dass 688 Südtiroler Angebote (7,4 Prozent) ohne die vorgeschriebene nationale Identifikationsnummer (CIN) gelistet waren, was aber nicht automatisch bedeute, dass die Unterkunft unangemeldet ist. HGV-Direktor Raffael Mooswalder fordert verlässlichere Daten zur tatsächlichen Wohnraumnutzung.
Für die Praxis: Der HGV fordert konsequentere Kontrollen und einheitliche Rahmenbedingungen für alle Beherbergungsformen – ein Thema, das angesichts der angespannten Wohnraumsituation in touristischen Hotspots an Fahrt gewinnen dürfte.
Quelle: hgv.it, 14.10.2026
🔍 Insider-Radar im Tourismus Newsletter DACH KW 43
- SITA übernimmt Airport-Solutions-Sparte von Collins Aerospace – Self-Service-Check-in, Biometrie und Gepäckverfolgung wandern zum IT-Spezialisten für Flughäfen. (PhocusWire, 15.10.)
- Klook zieht geplanten US-Börsengang zurück. Der asiatische Erlebnis-Buchungsanbieter nennt „aktuelle Marktbedingungen“ als Grund – ein Dämpfer für die Investorenstimmung rund um Buchungsplattformen. (Skift, 19.10.)
- Flughafen Linz in der Krise: Neuer Geschäftsführer Jörg Ebbighausen spricht von einer „prekären“ Lage – 2025 nur 262.347 Passagiere, fünf Verlustjahre in Folge; das Land Oberösterreich sucht einen strategischen Investor. (aerotelegraph.com, 9.10.)
- Wiesn-Zeltvergabe gerichtlich bestätigt: Die Klage eines unterlegenen Wirts gegen die Vergabe zweier Oktoberfest-Großzelte wurde abgewiesen, die städtische Vergabepraxis bleibt rechtskräftig. (AHGZ/dpa, 17.10.)
Zahl der Woche
1,025 Milliarden Euro. So viel zahlt die Lufthansa Group für 44,9 Prozent an TAP Air Portugal, nachdem Portugal dem Angebot im Privatisierungsverfahren den Zuschlag erteilt hat – bei einer möglichen späteren Aufstockung auf bis zu 49,9 Prozent könnten es bis zu 1,2 Milliarden Euro werden. Lufthansa hält damit nach ITA Airways, SWISS, Austrian Airlines, Brussels Airlines und Eurowings bereits die nächste große Beteiligung im europäischen Luftverkehr. Für den DACH-Tourismus ist das mehr als eine Finanznachricht: Flugverbindungen zu und aus dem Alpenraum hängen zunehmend von wenigen großen Airline-Gruppen ab. Der Denkanstoß: Wie wirkt sich diese Konzentration langfristig auf Flugpreise und Streckenangebot in und aus dem Alpenraum aus?
Quelle: Lufthansa Group Newsroom, Pressemitteilung, 14.10.2026
Tool der Woche
Suno (suno.com) erzeugt aus einem kurzen Text-Prompt einen fertigen, markenkonformen Song – Songtext, Musikrichtung, Tonalität und Instrumentierung inklusive, ganz ohne eigene Musikkenntnisse. Was früher Texter, Komponist, Musiker und Tonstudio brauchte, entsteht hier in wenigen Minuten: ein eigener Hotel-, Betriebs- oder Destinationssong für Social-Media-Clips oder augenzwinkernde Marketingmomente. Zum Reinhören habe ich oben den Song verlinkt, den ich für einen meiner Workshops gebaut habe – aufgebaut rund um die Markenwerte der jeweiligen Destination. Liebe Musikkollegen, keine Sorge – Ihr Job ist damit noch lange nicht weg, aber zum Ausprobieren reizt es allemal.
Für die Praxis: Interesse, wie das für Ihren Betrieb oder Ihre Destination aussehen könnte? Schreiben Sie mir einfach – unverbindlich, über gernot-riedel.com.
💬 Gernots Einschätzung
Diese Ausgabe zeigt mir vor allem eines: Wachstum und Konsolidierung laufen gerade parallel. Deutschland meldet einen Rekord bei den Übernachtungen – und gleichzeitig sinkt der August, weil Inlandsgäste zurückhaltender werden. Die ÖHV meldet stabile Nächtigungszahlen für den Winter – und gleichzeitig ein sinkendes Betriebsergebnis, weil 90 Prozent der Betriebe gestiegene Kosten nicht voll weitergeben können. Und während Horwath HTL einen wachsenden Markenanteil im Schweizer Hotelmarkt misst, kauft sich Lufthansa die nächste Fluggesellschaft. Drei Schauplätze, dieselbe Bewegung: Volumen wächst, aber wer es trägt, verändert sich. In drei Jahrzehnten Tourismusarbeit habe ich gelernt, dass Nächtigungsrekorde allein wenig über die Gesundheit einer Branche aussagen – entscheidend ist, wer am Jahresende mehr in der Kassa hat. Wer nicht aktiv an Kostenstruktur und Preisdurchsetzung arbeitet, wird vom Rekord nichts spüren, egal wie gut die Schlagzeile klingt.
Gernot Riedel | gernot-riedel.com
✍️ Aus meiner Feder
Passend zum Monitor-Charakter dieser Ausgabe habe ich letzte Woche die Kärnten-Ausgabe meiner Bundesländer-Serie veröffentlicht: Kärnten ist nicht das Seenland der Österreicher, als das es oft wahrgenommen wird – 60 Prozent der Gäste kommen aus dem Ausland, der Winter boomt, und der Gardasee ist ein ernstzunehmender Mitbewerber. Zahlen, Stärken, Schwächen und die tatsächlichen Mitbewerber Kärntens im Detail.
Zum Beitrag: Kärnten Tourismus: Zahlen, Stärken, Schwächen und die wahren Mitbewerber – auf gernot-riedel.com
📌 Zum Weiterlesen
Diese Ausgabe zeigt, wie Ihr Bundesland oder Ihre Region im DACH-Vergleich dasteht. Was reine Nächtigungszahlen nicht zeigen: wie Sie gegenüber Ihren tatsächlichen Mitbewerbern – nicht den naheliegendsten, sondern den echten – positioniert sind. Genau das arbeite ich in einer Destinationsanalyse heraus: ein Benchmark Ihrer Region gegenüber vergleichbaren alpinen Destinationen, auf Basis von Gästebewertungen und Desk Research. Interesse, wie das für Ihre Destination aussehen könnte? Schreiben Sie mir einfach – unverbindlich, über gernot-riedel.com.
Damit endet der Tourismus Newsletter DACH KW 43 – gute Woche, und rechnen Sie nicht nur in Nächtigungen.
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