Die Zukunft der Beherbergung in Österreich lässt sich an einem Widerspruch ablesen: Der Markt wächst auf Rekordniveau, und trotzdem verlieren ganze Kategorien seit 25 Jahren Anteile. Dieser Beitrag eröffnet eine achtteilige Serie, die für jede Beherbergungskategorie eine Zukunftsthese entwickelt. Ausgangspunkt ist eine Frage des Ökonomen Alex Imas: Was wird knapp, wenn Künstliche Intelligenz das Standardisierte immer billiger macht?
Auf einen Blick
- Österreich erreichte im Gesamtjahr 2025 mit rund 157,27 Millionen Nächtigungen ein Allzeithoch (Statistik Austria). Trotzdem verlieren einzelne Kategorien seit 25 Jahren Anteile.
- Beide Enden wachsen: Der Anteil der 4/5-Sterne-Hotels an den Winternächtigungen stieg von 27,1 auf 36,8 Prozent, gewerbliche Ferienwohnungen von 5,5 auf 15,5 Prozent.
- Die Mitte schrumpft: Die 3-Sterne-Hotellerie fiel im Winter von 23,1 auf 17,3 Prozent. Der Wert wandert nicht nach oben, sondern nach außen.
Zukunft der Beherbergung in Österreich: Warum der Wert nach außen wandert
Es gibt einen Denkfehler, der die meisten Zukunftsdebatten im Tourismus vergiftet: die Annahme, dass ein wachsender Markt allen Betrieben nützt. Der Kuchen wird größer, und gleichzeitig verlieren ganze Beherbergungskategorien seit einem Vierteljahrhundert an Boden. Beides ist wahr. Genau darin liegt die eigentliche Geschichte dieser Serie.
Den Rahmen liefert der Ökonom Alex Imas in seinem Essay „What will be scarce?“ (April 2026). Seine These: Wenn KI das Standardisierte und Austauschbare immer billiger macht, fällt dort der Preis, die Realeinkommen steigen, und die Nachfrage verschiebt sich dorthin, wo der Mensch untrennbar Teil der Leistung ist. Zu Herkunft, Beziehung, echtem Erlebnis. Gastfreundschaft nennt Imas ausdrücklich als Paradebeispiel für diesen „relationalen Sektor“.
Für die Beherbergung heißt das: Der Wert zerfällt in zwei Schichten. Die funktionale Schicht (ein sauberes Bett, WLAN, Check-in, Buchung) wird billig und automatisierbar. Die relationale Schicht (der Gastgeber, die Geschichte, das kuratierte Erlebnis) wird knapp und damit teurer durchsetzbar.
Der Befund aus der Statistik
Man sieht die Verschiebung sehr deutlich. Zwei Kategorien gewinnen an beiden Enden des Spektrums, drei verlieren in der Mitte.

Am oberen Ende legt die gehobene Hotellerie seit 25 Jahren zu. Das passt in ein globales Bild: McKinsey erwartet einen Anstieg der weltweiten Ausgaben für Luxus-Beherbergung von 239 Milliarden Dollar (2023) auf 391 Milliarden bis 2028, während Bain & Company für persönliche Luxusgüter erstmals seit Jahren einen Rückgang meldet. Die zahlungskräftige Nachfrage verlagert sich von Besitz zu Erlebnis.
Am unteren Ende wächst das genaue Gegenteil, und zwar am schnellsten von allen. Die gewerblichen Ferienwohnungen haben ihren Winteranteil fast verdreifacht. Sie gewinnen nicht, obwohl der Mensch fehlt, sondern weil er fehlt: Self-Check-in, kontaktlos, schlank. Dazwischen erodiert die klassische Mitte, die die Kostenstruktur eines Hotels trägt, ohne einen relationalen Preis durchzusetzen.
Ein ehrlicher Vorbehalt
Damit diese Serie redlich bleibt: Die Daten belegen die Umverteilung eindeutig, aber sie beweisen nicht, dass KI heute schon der Treiber ist. Die Premiumisierung läuft seit 25 Jahren, lange vor der generativen KI, getragen von steigenden Einkommen und veränderten Werten. KI ist der Faktor, der diesen Trend in den kommenden Jahren beschleunigen kann. Genau deshalb ist es klüger, sich jetzt zu positionieren, solange die Entscheidung aus einer Position der Stärke getroffen werden kann.
In den kommenden Folgen nehme ich mir jede Kategorie einzeln vor. Den Anfang macht der klare Gewinner: die gehobene Hotellerie, und die Frage, ob der vierte Stern wirklich schützt oder nur teuer macht.
Serie „Was in Österreichs Beherbergung knapp wird“ — Teil 1 von 8
Die acht Folgen erscheinen täglich bis Sonntag, 23.08.2026.
Quelle: Alex Imas, „What will be scarce?“, April 2026 · Statistik Austria, Beherbergungsstatistik · McKinsey, State of Tourism and Hospitality 2024
Hinweis: Diese Analyse habe ich mit KI-Unterstützung erstellt. Datenauswahl, Interpretation und Bewertung liegen bei mir.
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