Tourismus Newsletter DACH – KW 4/2026 im Überblick
Diese Woche im Fokus:
- 🇦🇹 Bundesregierung startet „Vision T“ – Neue Tourismusstrategie bis Sommer 2026
- 🇦🇹 TUI meldet Rekordbuchungen für Sommer – Familien planen früher
- 🇩🇪 Deutscher Hotelkongress in Mainz: Trends, KI & Zukunftsstrategien
- 🇨🇭 Schweiz mit höchsten Zimmerpreissteigerungen in Europa
- 🌍 15.000+ Hotels klagen gegen Booking.com – Sammelklage nimmt Fahrt auf
Der Tourismus Newsletter DACH KW 4/2026 bringt Ihnen die wichtigsten Entwicklungen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Südtirol. Von strategischen Weichenstellungen der Bundesregierung bis zu wegweisenden Gerichtsverfahren gegen Buchungsplattformen – diese Woche zeigt, wie dynamisch sich die Branche entwickelt.
Österreich: Politik trifft Strategie
„Vision T“: Bundesregierung schmiedet neue Tourismusstrategie
Die österreichische Bundesregierung hat im ersten Ministerrat 2026 ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Stärkung des Tourismusstandorts beschlossen. Kern ist die „Vision T“ – eine neue nationale Tourismusstrategie, die bis Sommer 2026 gemeinsam mit der Branche erarbeitet wird. Der Tourismus erwirtschaftet gemeinsam mit der Freizeitwirtschaft rund 14 Prozent der heimischen Wirtschaftsleistung und sichert über 567.000 Vollzeitarbeitsplätze. Mehr Details auf bundeskanzleramt.gv.at.
Flankiert wird die Strategiearbeit von konkreten Sofortmaßnahmen: Ein Sonderbudget von 1 Million Euro für die internationale Bewerbung während der Olympischen Winterspiele 2026 soll Österreich als führende Skidestination etablieren. Parallel wird die Beherbergungsstatistik modernisiert, um mehr Digitalisierung und Datenqualität zu schaffen – Voraussetzung für das digitale Gästeblatt. Die neue Imagekampagne „Team Tourismus“ soll mehr Menschen für Jobs im Tourismus begeistern, mit Schwerpunkt auf moderne Arbeitswelten und Karrierechancen.
Handlungsempfehlung: Nutzen Sie die Strategiearbeit als Chance, Ihre Anliegen in den Dialog einzubringen. Die Tourismusbeschäftigtenfonds mit 6,5 Mio. Euro/Jahr bietet neue Fördermöglichkeiten für Qualifizierung und Ganzjahresarbeitsplätze.
TUI Österreich: Rekordstart für Sommer 2026 – Familien buchen früher
TUI Österreich meldet einen außergewöhnlich starken Buchungsauftakt für die Sommersaison 2026. Die Buchungen übertreffen das Vorjahresniveau deutlich, getrieben von einem klaren Trend zum Vorausplanen – vor allem Familien wollen Planungssicherheit. 85 Prozent der österreichischen Bevölkerung haben vor, 2026 mindestens eine Urlaubsreise zu unternehmen. Über die Hälfte äußert den Wunsch, häufiger oder mehr als im Vorjahr zu verreisen.
Der Familienanteil liegt aktuell bei 42 Prozent – ein Plus von vier Prozentpunkten zum Vorjahr. Klassische Mittelmeer-Destinationen wie Griechenland, Türkei, Spanien, Italien und Kroatien führen die Beliebtheitsskala an. Kreuzfahrten und Cluburlaube gewinnen weiter an Popularität: 29 Prozent der Befragten erwägen eine Kreuzfahrt, 30 Prozent einen Cluburlaub. Bei TUI werden derzeit 58 Prozent der Reisen mit All-Inclusive gebucht – ein Anstieg von drei Prozentpunkten.
Handlungsempfehlung: Frühbucher-Rabatte und Familien-Packages sind entscheidend für die Buchungsphase Januar-Februar. Wer jetzt flexible Stornierungsbedingungen und Planungssicherheit bietet, sichert sich Marktanteile.
Österreich Werbung: „Non Disclosure Austria“ – Geheimtipps mit Humor vermarkten
Mit der neuen Kampagne „Non Disclosure Austria (NDA)“ setzt die Österreich Werbung auf eine ungewöhnliche Marketingstrategie: Verborgene Winterurlaubs-Destinationen werden mit einer humorvoll formulierten Geheimhaltungsvereinbarung beworben. Wer die Geheimtipps entdecken will, muss zunächst eine NDA unterzeichnen – ein cleverer Schachzug gegen „Overtourism“ und für die Bewerbung weniger bekannter Regionen.
Die Kampagne ist Teil einer breiteren Strategie, Gästeströme gezielt zu lenken und gleichzeitig dem Unbalanced Tourism entgegenzuwirken. Parallel läuft die Content-Serie „Crush Course“, die zeigt, dass Skifahren nicht nur Spaß macht, sondern auch „richtig gut aussieht“ – speziell für Social-Media-affine Zielgruppen konzipiert.
Handlungsempfehlung: Regionale Tourismusverbände und Betriebe sollten ähnliche Ansätze für ihre eigenen „Hidden Gems“ evaluieren. Authentizität und lokale Geheimtipps sind Differenzierungsmerkmale im Wettbewerb gegen überlaufene Destinationen.
Deutschland: Hotellerie im Transformationsmodus
Deutscher Hotelkongress Mainz: Branchenelite diskutiert Zukunftsstrategien
Am 20. und 21. Januar traf sich die deutsche Hotelbranche zum jährlichen Gipfeltreffen in der Rheingoldhalle Mainz. Unter dem Motto „Perspektiven. Praxis. Dialog“ standen vier Schwerpunktthemen im Fokus: Trends in Hospitality und Tourismus, KI-Integration, Human Resources und Vertrieb. Über 1.000 Teilnehmer diskutierten, wie Betriebe zukunftsfähig aufgestellt werden können. Details zum Programm auf ahgz.de.
Zentrale Erkenntnisse: Die deutsche Hotellerie durchläuft einen fundamentalen Strukturwandel – technologisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich. Während die Nachfrage stabil bleibt, verschärfen sich die strukturellen Probleme: Steigende Personal- und Energiekosten, anhaltender Fachkräftemangel und zunehmende Abhängigkeit von OTAs. Experten wie Prof. Dr. Eric Horster (Deutsches Institut für Tourismusforschung) betonten: Erfolg 2026 hängt weniger von perfekten Jahresplänen ab, sondern von der Fähigkeit zur ständigen Anpassung.
Handlungsempfehlung: Investieren Sie in dynamisches Revenue Management und KI-gestützte Prozessoptimierung. Statische Preislisten und manuelle Workflows sind nicht mehr wettbewerbsfähig. Die Spreizung zwischen Gewinnern und Verlierern nimmt zu.
Fachkräftemangel bleibt Topthema: HR wird zur strategischen Funktion
Ein Dauerbrenner auf dem Hotelkongress war das HR-Thema. Katharina Darisse (Fair Job Hotels) brachte es auf den Punkt: „Teuerste Ressource, größtes Potenzial – Warum HR strategisch mitreden muss.“ Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und DEHOGA fehlt Personal in allen Bereichen: Front Office, Housekeeping, Küche, Reservierung und zunehmend auch in Revenue-bezogenen Rollen.
Die Konsequenz: Strategische Aufgaben wie Marktbeobachtung, Preisoptimierung und Forecasting kommen im Tagesgeschäft zu kurz. Automatisierung wird deshalb zunehmend als Entlastung gesehen – nicht als Ersatz für Expertise, sondern als Mittel für konsistente Prozesse und stabile Entscheidungsgrundlagen. Mehrere Hotels präsentierten Best Practices für moderne People & Culture-Abteilungen, die Werte und New-Work-Ansätze nachhaltig in die Unternehmenskultur integrieren.
Handlungsempfehlung: Positionieren Sie Ihre Personalabteilung als strategischen Partner. Werteorientierung, klare Karrierepfade und messbare Beiträge zur Unternehmensentwicklung sind entscheidend für langfristige Mitarbeiterbindung.
Schweiz: Preissteigerungen und Investitionsdynamik
Höchste Zimmerpreissteigerungen in Europa – Schweiz in Sonderrolle
Der Travel Market Report 2026 von BCD Travel zeichnet für Europa ein Bild moderater Preissteigerungen im Hotelmarkt. Eine Ausnahme bildet die Schweiz: Mit den höchsten prognostizierten Zimmerpreisanstiegen innerhalb Europas rückt sie 2026 erneut in eine Sonderrolle. Für Schweizer Hoteliers stellt sich damit weniger die Frage nach Nachfrage, sondern vielmehr nach Positionierung, Kostenkontrolle und strategischer Ausrichtung.
Trotz geopolitischer Unsicherheiten, schwacher deutscher Konjunktur und steigender Arbeitslosigkeit zeigt sich die touristische Nachfrage robust. Die USA bleiben ein starker Quellmarkt, neue Märkte wie Brasilien gewinnen an Bedeutung. In der Schweiz wirken Bevölkerungswachstum und starker Inlandstourismus stabilisierend. Ein zentraler Treiber ist der strukturelle Shift hin zu Investitionen in Erlebnisse statt Güter.
Handlungsempfehlung: Nutzen Sie dynamisches Pricing konsequent. Laut Siteminder’s „Changing Traveller“ Report 2026 akzeptieren immer mehr Reisende nachfragebasierte Preise – auch wenn diese höher ausfallen. Erfolg hängt von Anpassungsfähigkeit ab, nicht von statischen Jahresplänen.
Hotelimmobilien-Forum Zürich: Investoren suchen klare Konzepte
Am 13. Januar fand das 2. Hotelimmobilien-Forum Schweiz in der Alten Börse in Zürich statt. 110 Teilnehmer – Hotelexperten, Investoren, Betreiber, Immobilien- und Finanzfachleute – diskutierten über Trends im Hotel-Immobilienmarkt der DACH-Region. Zentrale Erkenntnis: Für Investoren wird 2026 ein Jahr der Chancen, aber nur für jene mit klarer Strategie.
Besonders die Marken- und 5-Sterne-Hotellerie entwickeln sich dynamisch. Vor dem Hintergrund von Büroleerständen wurden Opportunitäten für Umnutzungen aufgezeigt – Co-Living-Konzepte können aufgrund günstigerer Kosten-Ertrags-Relationen eine attraktive Alternative zur klassischen Hotellerie darstellen. Im Premiumsegment geht es weniger um Luxus im klassischen Sinn als um erlebnisorientierte Konzepte an exzellenten Standorten. Das anonyme Hotelprojekt ohne Story und ohne klares Nutzungskonzept wird es 2026 schwer haben, Kapital zu finden.
Handlungsempfehlung: Schärfen Sie Ihr Konzept und Ihre Story. Differenzierung entsteht durch Begeisterung statt Standardisierung. Zentrale Erfolgsfaktoren sind klare Standortkriterien und ein verbindendes Leitmotiv, das Immobilie, Betrieb und Marke zusammenhält.
International: Digitale Marktmacht im Fokus
15.000+ Hotels klagen gegen Booking.com – Sammelklage wird eingereicht
Europas Beherbergungsbranche fordert neue Spielregeln im digitalen Vertrieb. Die europaweite Sammelklage gegen Booking.com wird demnächst formell beim zuständigen Gericht in Amsterdam eingereicht. Rund 15.000 Betriebe aus über 25 Ländern, darunter über 600 aus der Schweiz und 750 aus Österreich, haben sich dem Verfahren angeschlossen. Die meisten Teilnehmer kommen aus Italien, Deutschland, den Niederlanden, Griechenland und Österreich. Mehr zur Initiative auf hotrec.eu.
Grundlage ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom September 2024, das feststellte, dass die Paritätsklauseln von Booking.com gegen EU-Wettbewerbsrecht verstoßen haben. Diese Klauseln verpflichteten Hotels jahrelang, ihre Zimmer nicht günstiger als auf Booking.com anzubieten – auch nicht auf der eigenen Website. Hotels könnten nun berechtigt sein, einen erheblichen Teil der in den letzten 20 Jahren gezahlten Provisionen (nach vorläufigen Berechnungen mindestens 30 Prozent) zuzüglich Zinsen zurückzuerhalten.
Handlungsempfehlung: Die Klage ist kostenfrei und risikofrei – Prozessfinanzierung übernimmt ein externer Finanzierer, der nur im Erfolgsfall verdient. Prüfen Sie, ob Ihre Betriebe teilnahmeberechtigt sind. Registrierungsfristen sind inzwischen abgelaufen, aber die Entwicklung bleibt für alle Betriebe relevant, die ihre Vertriebsstrategien überdenken.
Zum Abschluss: 2026 wird zum Entscheidungsjahr
Die Botschaft aus dem Tourismus Newsletter DACH dieser Woche ist eindeutig: Der DACH-Tourismus steht an einem Wendepunkt. Betriebe, die in strategische Klarheit, digitale Integration und echte Personalentwicklung investieren, setzen sich durch. Die Zeiten der reinen Auslastungs-Optimierung sind vorbei. Wer 2026 erfolgreich sein will, braucht operative Exzellenz, klare Positionierung und die Fähigkeit zur ständigen Anpassung.
Die Beispiele aus Österreich (Vision T, Frühbuchertrends), Deutschland (Strukturwandel, HR-Strategien) und der Schweiz (Preissteigerungen, Investitionsdynamik) zeigen: Die Branche bewegt sich. Die europaweite Sammelklage gegen Booking.com markiert dabei einen wichtigen Moment – sie zeigt, dass die Hotellerie geeint auftreten kann, wenn es um faire Spielregeln im digitalen Buchungsmarkt geht. Weitere Analysen finden Sie in unseren früheren Newsletter-Ausgaben.
Ihre nächsten Schritte
Sie führen eine Destination, ein Hotel, ein Restaurant oder eine Seilbahn-Gesellschaft? Ich unterstütze Sie:
- • Destinationsmarketing: Strategien für Ganzjahrestourismus und internationale Märkte
- • KI-Training & Workshops: Praktische Implementierung von KI in Hotel- und Gastro-Alltag
- • Business Coaching: Change-Management für Organisations- und Personalentwicklung
Kontakt: kontakt@gernot-riedel.com
Dieser Newsletter basiert auf Recherchen aus österreichischen Fachmedien (TAI, ÖGZ/gast.at, Bundeskanzleramt Österreich, Österreich Werbung), deutschen Hospitality-Publikationen (ahgz, Hotelier.de, Tageskarte), schweizer Fachmedien (HTR.ch, Hotel Inside) sowie Branchenberichten von Hotrec, HotellerieSuisse und regionalen Tourismusbehörden. Alle Angaben ohne Gewähr, Stichtag: 25. Januar 2026.

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