Tourismus-Wochenrückblick: Wintersaison startet mit stabiler Nachfrage – Kostendruck bleibt Herausforderung

Verfasst von: Gernot Riedel, 32 Jahre Destinationsmanagement | Stand: 18. November 2025

Die Wintersaison 2025/26 startet unter gemischten Vorzeichen: Während die Nachfrage stabil bleibt und internationale Märkte investieren, kämpft die Branche mit wachsendem Kostendruck. Die folgenden 15 Branchenmeldungen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Südtirol zeigen die Chancen und Risiken der kommenden Monate.

Österreich: Stabile Winternachfrage trotz wirtschaftlicher Herausforderungen

1. Österreich auf Europas Spitze: Wintersportdestination mit Top-Rankings in 8 von 10 Märkten

Die Österreich Werbung bestätigt die Spitzenposition als Wintersportdestination: Die Sonderauswertung der Winterpotenzialstudie 2025/26 zeigt, dass Österreich in acht von zehn europäischen Märkten unter den Top 2 der beliebtesten Ski- und Snowboardziele liegt. International beeindruckt: In den USA und China rangiert Österreich bereits in der Top 4. Besonders hervorzuheben ist das ausgezeichnete Preis-Leistungs-Verhältnis im internationalen Vergleich – ein Wettbewerbsvorteil, den es zu schützen gilt.

Handlungsempfehlung: Destinationen sollten diese Rankings als Kommunikationsvorteil nutzen und gezielte B2B-Partnerschaften mit US- und chinesischen Reiseveranstaltern intensivieren.

2. Wintersaison 2024/25: Tirol schließt mit marginalem Plus ab, Wien setzt Maßstäbe

Die Wintersaison 2024/25 bilanziert für Tirol mit 1,24 Millionen Ankünften – ein minimales Plus von 0,2 Prozent gegenüber dem Vorwinter. Wien hingegen demonstriert Stärke: 19 Millionen Nächtigungen (+9%) unterstreichen die Rolle der Bundeshauptstadt als globale Tourismus- und Kongressmetropole. Damit stabilisiert sich der Tiroler Tourismus nach Rekordwinter auf hohem Niveau, während Wien neue Maßstäbe für Dezentralisierung setzt.

Handlungsempfehlung: Alpine Destinationen sollten von Wiens Erfolgsmodell lernen: Kongress-, Kultur- und Wellnesstourismus als stabilisierende Säulen entwickeln.

3. Oberösterreich wächst: 50 Millionen Euro Seilbahn-Investment, Sommersaison +3,5%

Oberösterreichs Sommersaison 2025 verzeichnete rund 1,9 Millionen Ankünfte (+3,5%) und 5,0 Millionen Nächtigungen (+1,1%). Besonders beeindruckend: Die Seilbahnen investieren über 50 Millionen Euro in Infrastruktur-Qualität. In Hinterstoder und auf der Wurzeralm fließen rund 4 Millionen Euro in Beschneiung und Modernisierung, in Gosau entstehen zwei neue Sesselbahnen für 22 Millionen Euro. Wirtschaftseffekt: Der Wintertourismus generiert 1.950 direkte Arbeitsplätze.

Handlungsempfehlung: Diese Investitionen in sichtbare Qualität sind Kommunikationsmaterial für die digitale Vermarktung – Storytelling über Innovation stärkt die Destination.

4. ÖHV-Inside: Wintersaison im Spannungsfeld – 0,6% Nächtigungsplus, aber 2,2% Umsatzwachstum vs. Kostensteigerungen

Die aktuelle ÖHV-Mitgliederbefragung offenbart das Kernproblem der Branche: Im Schnitt wird ein leichtes Nächtigungsplus von nur 0,6% erwartet, doch die Umsätze steigen um durchschnittlich nur 2,2% – deutlich unter dem Kostenwachstum. 2/3 der Betriebe rechnen mit weiteren Kostensteigerungen, besonders bei Personal und Wareneinkauf. Besonders kritisch: 74% können Kostensteigerungen nur teilweise weitergeben, 15% gar nicht. 44% verschieben oder streichen Investitionen.

Handlungsempfehlung: Destinationsorganisationen sollten Workshops zu Revenue Management und Kostenoptimierung anbieten – Effizienzgewinne sind das kurzfristige Überlebensprogramm.

5. Politischer Kurswechsel: Saisonkontingent-Reform ab Wintersaison 2025/26

Die österreichische Dreier-Koalition hat sich auf eine wichtige Reform geeinigt: Die Aufstockung der Saisonkontingente und die automatische Verlängerung werden ab sofort möglich. ÖHV-Präsident Walter Veit betont: „Hotels können ihren Gästen früher das komplette Angebot bieten und dabei ihre Teams entlasten.“ Dies eröffnet Planungssicherheit und ermöglicht früheren Saisonstart – ein Lösungsbaustein für die Personalkrise.

Handlungsempfehlung: HR-Manager sollten sofort ihre Recruitmentstrategien anpassen und die erweiterten Kontingente für die Wintersaison nutzen.

6. KitzSki setzt Maßstab: Erste Schneegarantie für Premium-Skifahrer (21.12.2025–14.3.2026)

Kitzbühel demonstriert innovative Gästeorientierung: Zwischen 21. Dezember 2025 und 14. März 2026 garantiert KitzSki Skifahren im Premium-Zeitraum – ein Versprechen, das durch moderne Beschneiungstechnik und Risikomanagement unterlegt ist. Diese Schneegarantie ist ein Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb und ein starkes Signal in Zeiten von Klimawandel und Schneeunsicherheit.

Handlungsempfehlung: Destinationen sollten ähnliche Garantie-Konzepte entwickeln – sie signalisieren Professionalität und Gästeschutz.

Deutschland: Rekordübernachtungen, aber Branche im sechsten Verlustjahr

7. Deutschland verzeichnet 387,7 Millionen Übernachtungen (9 Monate): Inlandstourismus boomt, Auslandsgäste zurück

Ein Paradoxon: Deutschland verbucht in den ersten drei Quartalen 2025 einen neuen Rekord von 387,7 Millionen Übernachtungen – ein winziges Plus von 0,1% gegenüber dem Vorjahrsrekord. Die Inlandsnachfrage steigt um 0,6% auf 323 Millionen, doch internationale Gäste verbringen 2,9% weniger Nächte in Deutschland (64,3 Mio.). Besonders das US-Geschäft schwächelt: Weniger Verbrauchervertrauen, ungünstige Wechselkurse und hohe Flugsicherungsgebühren wirken bremssend.

Handlungsempfehlung: Deutsche Destinationen sollten gezielt auf US-Märkte mit Euro-Preisgarantien und frühen Buchungsrabatten reagieren.

8. Dehoga-Warnung: Deutsches Gastgewerbe droht 6. Verlustjahr in Folge – 40% der Betriebe rechnen mit Jahresdefizit

Die Diskrepanz zwischen Besucherzahlen und Rentabilität offenbart sich brutal: Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) warnt, dass der Branche 2025 das sechste Verlustjahr in Folge droht. Grund: Real wurden im ersten Halbjahr 2025 15,1% weniger umgesetzt als 2019 (Vor-Corona-Niveau). Preise sind seit 2020 um ein Drittel gestiegen, Kunden werden preissensibler. Laut Dehoga-Umfrage unter 4.000 Betrieben befürchten 40%, das Jahr mit Verlusten abzuschließen.

Handlungsempfehlung: Deutsche Tourismusorganisationen sollten Advocacy-Arbeit zur Mehrwertsteuersenkung vorantreiben – dies ist eine Schmerzenspolitik, die nur Branchenverbände lösen können.

Schweiz: Stabiler Oktober, moderates Wachstum für Wintersaison 2025/26

9. Schweizer Hotellerie im Oktober: +4% Logiernächte, getragen von Schweizer Gästen und solidem Auslandspotenzial

Die Schweizer Hotellerie verzeichnete im Oktober ein deutliches Plus: Logiernächte stiegen um 4%, getragen von einem kräftigen Anstieg bei Schweizer Gästen und solider Nachfrage aus dem Ausland. Der positive Trend der Vormonate hält an – ein stabiler Boden für die Wintersaison.

Handlungsempfehlung: Schweizer Hotels sollten die Binnennachfrage strategisch stärken – die eigenen Gäste sind verlässlicher als Fernmärkte.

10. KOF-Institut prognostiziert Wintersaison 2025/26: 18,6 Mio. Logiernächte (+0,7%), moderates Wachstum nach Rekordwinter

Das KOF Institut erwartet für die kommende Wintersaison rund 18,6 Millionen Logiernächte (+0,7%, ca. +140.000) nach dem Rekordwinter 2024/25 mit 18,5 Mio. Das Wachstum flacht ab und pendelt sich auf sehr hohem Niveau ein. Risiko: Der März wird zunehmend wetterabhängig – höhere Temperaturen und schneearme Phasen schwächen die späten Buchungen. Fernreisende (USA) halten ihr hohes Niveau, chinesische Gäste kehren langsam, aber stetig zurück.

Handlungsempfehlung: Schweizer Destinationen sollten ihre März-Angebote mit Aktivitäten jenseits von Ski diversifizieren – Wellness, Wandern, Kultur.

Südtirol: Bettenstopp schafft Ausnahmen – neue Premium-Hotels im Fokus

11. Meran/Obermais: Hotelprojekt in der Kastaniengasse – alte Genehmigung läuft 2026 aus

In Südtirol schafft der Bettenstopp systematische Ausnahmen: Das geplante Hotelprojekt in der Kastaniengasse (Meran) verfügt über eine alte Baugenehmigung, die 2026 ausläuft. Bisher wurde jedoch nach zwei Jahrzehnten nichts gebaut. Bürgermeisterin Katharina Zeller bestätigt: Es gibt weder konkrete Bauprojekte noch Anträge auf Fristverlängerung. Dieses Projekt symbolisiert ein größeres Phänomen: Alte Genehmigungen für Premium-Segmente blockieren kleinere Entwicklungen.

Handlungsempfehlung: Destinationen sollten aktiv mit Bauherren kommunizieren, um Genehmigungen schneller zu realisieren – Planungssicherheit entstößt Investitionen an.

Seilbahnen & Infrastruktur: Investitionsoffensive für Wettbewerbsfähigkeit

12. Österreichische Seilbahnen: 500 Millionen Euro jährliche Investitionen, 66% erneuerbare Energien

Die österreichische Seilbahnbranche signalisiert strategischen Ernst: Rund eine halbe Milliarde Euro jährliche Investitionen in Infrastruktur belegen das Commitment. Besonders beeindruckend: Der Sektor nutzt zu 66% erneuerbare Energien – branchenübergreifend Nummer 1 in Österreich. Der gesamte Wintertourismus benötigt nur 1% des bundesweiten Energiebedarfs. Dies ist Nachhaltigkeit, die wirtschaftliche Sinn macht.

Handlungsempfehlung: Tourismuskommunikatoren sollten diese Energie-Bilanz offensiv nutzen – es ist ein starkes Differenzierungsmerkmal gegen Greenwashing-Vorwürfe.

13. Steiermark: Kreischberg erhält Pistengütesiegel – 50-Jahr-Jubiläum mit Rosenkranz-NEU Projekt

Der Kreischberg wird zum zehnten Mal in Folge mit dem Pistengütesiegel ausgezeichnet. Zum 50-Jahr-Jubiläum glänzt der Berg mit Innovation: Das Zukunftsprojekt „Rosenkranz NEU“ sieht bis Wintersaison 2026/27 eine neue 8er-Sesselbahn vor – weitere Komfortsteigerung für Gäste. Diese Kombination aus Qualitätsanerkennung und Zukunftsinvestition ist vorbildlich.

Handlungsempfehlung: Skigebiete sollten ihre Pistengütesiegel proaktiv in der digitalen Vermarktung nutzen – dies ist objektive Qualitätsbestätigung.

Nachhaltigkeit: Transformation vom Trend zur Kernstrategie

14. Sustainable Tourism in Austria Summit (STiAS) 2024: Platform für Best Practices etabliert

Der STiAS 2024 hat sich als Netzwerk- und Wissensplattform etabliert. Die Österreich Werbung hat 50 Best Practices aus ganz Österreich gesammelt – Projekte, die Umweltschutz, sozio-kulturelles Wohlergehen und ökonomische Nachhaltigkeit gleichzeitig realisieren. Kategorien: Winter, Sommer, Mobilität, Kreislaufwirtschaft, Soziales. STiAS 2026 findet am 10.&11. November in Linz statt – ein Pflicht-Termin für strategische Destinationsmanager.

Handlungsempfehlung: Destinationen sollten ihre besten Nachhaltigkeitsprojekte für die STiAS anmelden – dies ist strategische Positionierung im oberen Wettbewerbssegment.

15. Österreich Werbung: Plan T Masterplan verankert Nachhaltigkeit in aller Dimensionen

Der „Plan T – Masterplan für Tourismus“ hat Nachhaltigkeit in allen drei Dimensionen verankert: ökonomisch, ökologisch, sozial. Ziel: Den Erfolg des Tourismusstandorts Österreich durch nachhaltige Weiterentwicklung langfristig sichern. Dabei wird Nachhaltigkeit nicht als Mehrwert-Add-on verstanden, sondern als Kernstrategie. Nur so kann die Balance zwischen Gästen und lokalen Bedürfnissen dauerhaft gehalten werden.

Handlungsempfehlung: Business Coaches sollten ihre Klientel unterstützen, Nachhaltigkeit strategisch zu integrieren – dies ist langfristige Wettbewerbsfähigkeit, nicht Ideologie.

Rückblick & Ausblick: Wintersaison 2025/26 als Test für Struktur-Resilience

Die Branchenmeldungen der letzten Woche zeigen ein System unter Transformationsdruck: Nachfrage bleibt stabil, wirtschaftliche Ertragsfähigkeit schmilzt jedoch davon. In Österreich und der Schweiz stabilisiert sich die Winternachfrage auf hohem Niveau, während Deutschland mit Verlusten kämpft. Infrastruktur-Investitionen (Seilbahnen, Beschneiung) sind Zukunftswetten – sie müssen mit Preismodellen flankiert werden, die höhere Margen erlauben.

Drei Einsichten für strategisches Management:

  • Kostenstruktur-Transformation ist nicht optional: 74% der österreichischen Hotellerie können Kostensteigerungen nicht vollständig weitergeben. Dies erfordert Effizienzprogramme und möglicherweise Geschäftsmodell-Innovation (Automatisierung, KI-Einsatz im Housekeeping und Revenue Management).
  • Qualitäts-Positionierung schlägt Volumen: Kitzbühel (Schneegarantie), Steiermark (Pistengütesiegel), Oberösterreich (50 Mio. Investitionen) – Premium-Positionierung mit Gäste-Nutzen ist der Differenzierungsweg.
  • Nachhaltigkeit ist Risikoversicherung: 66% erneuerbare Energien in der österreichischen Seilbahnbranche sind nicht nur ethisch, sondern wirtschaftlich smart – Energiekosten sinken, Markenreputation steigt, Gäste zahlen Premium-Preise.

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