Diese Woche im Fokus:
- 🇦🇹 Wien schreibt Tourismusgeschichte: Erstmals 20 Millionen Nächtigungen 2025
- 🇦🇹 Österreich gesamt: 157 Millionen Nächtigungen – neuer Allzeitrekord
- 🇦🇹 ÖHV-Kongress-Nachlese: Bürokratie bleibt Wachstumsbremse Nr. 1
- 🇩🇪 Deutschland: 497,5 Millionen Übernachtungen 2025 – aber Hotellerie schwächelt
- 🇨🇭 Schweiz: Eishockey-WM und Grand Train Tour als Tourismus-Treiber 2026
- 🇮🇹 Südtirol: Petition „Bettenstopp jetzt!“ sammelt tausende Unterschriften
- 🌐 EU AI Act: Weniger als 6 Monate bis zur Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte
- 🛑 KOSTENLOSER Check: Ist Ihre Website ready für KI-Suchmaschinen?
Der Tourismus Newsletter DACH KW 9/2026 liefert Ihnen diese Woche starke Zahlen aus ganz Österreich, eine bemerkenswerte Bürgerbewegung aus Südtirol und eine dringende Erinnerung an den 2. August 2026 – dem Tag, an dem der EU AI Act für Tourismusbetriebe voll wirksam wird. Als Ihr Touristiker-Frühwarnsystem bringt dieser Tourismus Newsletter DACH die wesentlichen Entwicklungen der letzten Tage auf den Punkt.
🇦🇹 Österreich: Rekorde und Realpolitik
Wien knackt die 20-Millionen-Marke – und setzt neue Maßstäbe
Wien hat 2025 Tourismusgeschichte geschrieben: Mit 20,07 Millionen Gästenächtigungen übersprang die Bundeshauptstadt erstmals die 20-Millionen-Marke – ein Plus von sechs Prozent gegenüber dem Rekordjahr 2024. Der Beherbergungsumsatz für Jänner bis November erreichte 1,254 Milliarden Euro, und der Dezember allein trug mit rund 131 Millionen Euro und einem Zuwachs von zehn Prozent zum Gesamtergebnis bei. Jeder neunte Vollzeitjob in Wien ist mittlerweile dem Tourismus und der Freizeitwirtschaft zuzurechnen – eine Kennzahl, die die politische Bedeutung der Branche unterstreicht.
Bemerkenswert: Neun von zehn Wienerinnen und Wienern bewerten den Tourismus in ihrer Stadt positiv. Diese Akzeptanz ist in einer europäischen Metropole dieser Größe keine Selbstverständlichkeit. 2026 steht unter dem Jahresthema „Vienna Bites: Küche, Kultur, Charakter“ – über 500 Gastronomiebetriebe werden international beworben. Der Eurovision Song Contest wird laut Tourismusdirektor Norbert Kettner Wien gut, aber nicht ausgebucht sein: „Die Bäume wachsen nicht in den Himmel.“
Handlungsempfehlung: Wiens Erfolgsrezept ist kein Geheimnis – konsequente Qualitätspositionierung, starkes Markennische-Marketing (Kulinarik, Kultur) und eine aktive Akzeptanzstrategie gegenüber der Bevölkerung. Für alpine Destinationen bedeutet das: Messen Sie Ihre Bevölkerungsakzeptanz regelmäßig und kommunizieren Sie die wirtschaftlichen Vorteile des Tourismus aktiv in die lokale Community.
Österreich gesamt: 157 Millionen Nächtigungen – das dritte Rekordjahr in Folge
Statistik Austria vermeldete für 2025 österreichweit 157,27 Millionen Nächtigungen – ein Plus von 1,9 Prozent. Es war das dritte Jahr in Folge, in dem die 150-Millionen-Schwelle überschritten wurde, und der höchste Wert seit Beginn der digitalen Aufzeichnungen 1974. Besonders kräftig legte der Städtetourismus zu: Mit 5,7 Prozent auf 29,05 Millionen Nächtigungen in Wien und den Landeshauptstädten. Osttirol meldete für die erste Winterhälfte 2025/26 ein Nächtigungsplus von vier Prozent, mit deutlichen Zuwächsen bei inländischen Gästen von bemerkenswerten 14,2 Prozent.
Internationale Gäste bleiben der stärkste Treiber: Drei Viertel aller Nächtigungen entfallen auf ausländische Besucher. Deutsche Gäste belegen mit 58,55 Millionen Nächtigungen nach wie vor Platz eins, gefolgt von Österreichern und Niederländern.
Handlungsempfehlung: Der Trend zu mehr Inlandstourismus in Osttirol (+14,2 % bei Ankünften) ist ein Signal, das viele alpine TVBs gern übersehen. Investieren Sie in Ihre heimische Stammgast-Kommunikation – diese Gäste buchen flexibler, kommen früher wieder und empfehlen stärker weiter.
ÖHV-Kongress-Nachklang: „Simplicity“ trifft auf Realitätscheck
Der ÖHV-Kongress 2026 in Linz stand unter dem Motto „Simplicity – einfach(er) machen“ und brachte 630 Fachbesucherinnen und Fachbesucher in das Design Center Linz. Die Botschaft war klar: Bürokratie und steigende Betriebskosten sind die größten Wachstumsbremsen der österreichischen Hotellerie. ÖHV-Präsident Walter Veit forderte einen verpflichtenden Praxischeck für alle neuen Gesetzesentwürfe. Staatssekretär Sepp Schellhorn präsentierte 113 bereits erarbeitete Deregulierungsmaßnahmen. KI war ebenfalls ein zentrales Kongressthema – mit der nüchternen Feststellung: Wer soll KI-Projekte umsetzen, wenn bereits jetzt Personalmangel herrscht?
Laut Shiji Insights war der Stimmungswandel am Kongress spürbar: Weniger Expansion, mehr Konsolidierung. „Efficient is essential“ hat „bigger is better“ abgelöst. Für 2026 bedeutet Erfolg vieler Hoteliers: profitabel bleiben trotz steigender Kosten – nicht mehr, nicht weniger.
Handlungsempfehlung: Senden Sie konkrete Bürokratie-Beispiele an den Staatssekretär für Deregulierung (Aufruf läuft aktiv). Das ist praxiswirksame Interessenvertretung ohne Kongressticket. Und prüfen Sie intern: Welche drei KI-Routinetätigkeiten könnten Sie in Ihrem Betrieb mit minimalem Aufwand sofort automatisieren?
🇩🇪 Deutschland: Rekord-Übernachtungen, aber Hotellerie im Gegenwind
497,5 Millionen Übernachtungen – Camping boomt, Klassik-Hotellerie stagniert
Das Statistische Bundesamt meldete für 2025 einen neuen Rekord: 497,5 Millionen Gästeübernachtungen in Deutschland, ein Plus von 0,3 Prozent gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 2024. Auffällig ist die Schere innerhalb der Beherbergungsarten: Die klassische Hotellerie verzeichnete einen leichten Rückgang von 0,4 Prozent, während Campingplätze mit einem Plus von 4,2 Prozent boomen und gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019 sogar um 24,9 Prozent zugelegt haben. Das Gastgewerbe insgesamt erzielte 2025 nominal 1,4 Prozent mehr Umsatz, real jedoch 2,1 Prozent weniger – die Kostensteigerungen fressen die Erlöszuwächse auf.
Die neue Leitkampagne „Unboxing Hannover“ der HMTG zeigt den Weg vieler Destinationen: aktive Imagearbeit, um Lücken im Bewusstsein zu füllen. Nur 37 Prozent der Deutschen verbinden laut Brandmeyer Stadtmarken-Monitor konkrete Vorstellungen mit Hannover – ein Wert, den viele Mittelstädte teilen.
Handlungsempfehlung: Der Camping-Boom ist kein Zufall – er spiegelt den Wunsch nach Flexibilität, Naturnähe und günstigeren Optionen. Prüfen Sie, ob Ihre Destination Camping oder Glamping in Ihr Angebotsportfolio integrieren kann. Das erschließt eine neue, buchungsstarke Zielgruppe ohne großen Investitionsbedarf.

🇨🇭 Schweiz: Sportgroßereignis als Frequenztreiber
Eishockey-WM 2026 und Grand Train Tour als Wachstumsmotor
Die Schweiz setzt 2026 auf zwei starke Frequenztreiber: Im Mai ist sie Gastgeberin der IIHF Eishockey-Weltmeisterschaft in Zürich und Fribourg – mit 11.000 Zuschauerfassungsvermögen in der Swiss Life Arena und einer Begegnung Schweiz gegen Deutschland am 18. Mai als Highlight. Die KOF ETH prognostiziert für die Wintersaison 2025/26 rund 18,6 Millionen Logiernächte, ein leichtes Plus gegenüber dem Allzeithoch der Vorsaison. Nordamerikanische Gäste bleiben auf Rekordhöhe, europäische Gäste dagegen stagnieren – der starke Franken macht Schweiz-Reisen für die Nachbarländer teuer.
Dazu kommt ein nachhaltiger Evergreen: Die Grand Train Tour of Switzerland feiert 2026 ihr zehnjähriges Bestehen. Die 1.280 Kilometer lange touristische Bahnroute durch alle Landesteile ist ein Paradebeispiel für erlebnisorientiertes Destinationsmarketing mit starkem Nachhaltigkeitsprofil.
Handlungsempfehlung: Das Schweizer Modell zeigt: Langfristige Produktkonsistenz schlägt kurzfristigen Kampagnen-Aktionismus. Die Grand Train Tour läuft nun ein Jahrzehnt und ist international ein etablierter Begriff. Fragen Sie sich: Welches Ihrer Destinationsprodukte hat das Zeug zum Zehnjahresklassiker?
🇮🇹 Südtirol: Bevölkerung sagt Stopp
„Bettenstopp jetzt!“ – Petition gegen Hotelboom findet massiven Zuspruch
Südtirol verzeichnete 2025 mit über 9 Millionen Ankünften (+3,6 %) und mehr als 38 Millionen Übernachtungen (+3 %) neue Rekordwerte. Doch diese Zahlen kommen mit einem wachsenden gesellschaftlichen Preis. Ende Jänner 2026 sammelte die Online-Petition „Bettenstopp jetzt für Südtirol!“ binnen zwei Tagen mehr als 4.500 Unterschriften. Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner anerkennen den Tourismus als Wirtschaftsfaktor, fordern aber Grenzen: mehr Betten, mehr Verkehr, höherer Bodenverbrauch und steigende Wohnkosten in vielen Regionen seien nicht mehr tragbar. Das im Jahr 2022 verabschiedete Landesentwicklungstourismuskonzept LTEK 2030+ mit seiner Bettenobergrenze wird von Kritikern als zu wenig konsequent umgesetzt kritisiert.
Südtirols Wein-Eventkalender 2026 – von der Bozner Weinkost im März bis zu Veranstaltungen im Vinschgau und den Dolomiten – zeigt gleichzeitig, wie die Region ihre kulturellen Stärken als Gegengewicht zum Massentourismus in hochwertige, erlebnisorientierte Tourismusprodukte übersetzt.
Handlungsempfehlung: Die Petition aus Südtirol ist ein Frühwarnsignal für alle stark frequentierten Alpindestinationen. Wer heute keine Community-Strategie hat, die die lokale Bevölkerung einbezieht und informiert, wird morgen mit politischem Gegenwind konfrontiert. Starten Sie jetzt die Gespräche mit Ihrer Gemeinde und Ihren Nachbarn – bevor es zur Petition kommt.

🤖 KI & EU AI Act: Die Uhr tickt
Noch 163 Tage bis zur Kennzeichnungspflicht – was Tourismusbetriebe jetzt tun müssen
Ab dem 2. August 2026 gilt EU-weit die verbindliche Transparenz- und Kennzeichnungspflicht für bestimmte KI-generierte Inhalte (Artikel 50 EU AI Act). Das betrifft Tourismusbetriebe konkret: KI-generierte Avatare in Destinationsvideos müssen als solche erkennbar sein, synthetische Stimmen in Audio-Guides erfordern einen sichtbaren Hinweis, und vollautomatisierte personalisierte Inhalte ohne redaktionelle Kontrolle sollten zumindest freiwillig transparent kommuniziert werden. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis 15 Millionen Euro oder drei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Die gute Nachricht: Wer KI-generierte Texte, Bilder oder Posts mit einem einfachen „Symbolbild (KI-generiert)“ versieht, ist auf der sicheren Seite. Standard-ChatGPT-Texte ohne Täuschungsabsicht fallen in die Kategorie minimales Risiko und sind nicht automatisch kennzeichnungspflichtig.
Auch die ITB Berlin 2026 (3.–5. März) unterstreicht die Bedeutung des Themas: Sechs Hallen im Bereich Travel Technology sind ausgebucht, das Kongressmotto lautet „Leading Tourism into Balance“ – mit KI als zentralem Thema in nahezu allen 200 Sessions. DACH ist mit über 776 Ausstellern im hub27 prominent vertreten.
Handlungsempfehlung: Jetzt ist die perfekte Zeit für einen schnellen KI-Audit Ihres Betriebs: Welche Tools nutzen Sie? Wo produzieren Sie KI-Inhalte mit Täuschungspotenzial? Erstellen Sie eine einfache Liste – das ist die Grundlage für Ihr KI-Register. Wer noch kein strukturiertes Compliance-Dokument hat, findet unter gernot-riedel.com/eu-ai-act-compliance ein praxisnahes Paket speziell für Tourismusbetriebe im DACH-Raum.

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KI-Suche verändert gerade, wie Gäste Hotels und Destinationen finden. ChatGPT, Perplexity und Google AI geben keine langen Linklisten mehr aus — sie nennen einen Betrieb. Den, der optimal aufgestellt ist.
Der kostenlose GEO Readiness Check zeigt Ihnen in 60 Sekunden, wie sichtbar Ihr Betrieb für KI-Suchsysteme tatsächlich ist — mit konkreten Maßnahmen, die Sie sofort umsetzen können.
Kein Anmelden. Kein Download. Nur Ihre Website-Adresse — und Sie wissen Bescheid.
Tipp: Führen Sie den Check auch für Mitbewerber durch. Die Ergebnisse sind oft überraschend.
Der Tourismus Newsletter DACH KW 9/2026 erscheint (fast) wöchentlich. Fragen, Feedback oder Themenvorschläge? Schreiben Sie an kontakt@gernot-riedel.com – ich freue mich auf den Austausch.
Sie erhalten diesen Newsletter, weil wir uns aus dem Tourismus kennen – beruflich oder persönlich. Ich hoffe, die Inhalte sind für Sie relevant und bringen einen echten Mehrwert für Ihre tägliche Arbeit.
Gernot Riedel
TÜV-zertifizierter KI-Trainer für Tourismus | Business Coach | 32 Jahre Tourismus-Praxis
gernot-riedel.com
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