Tourismus, Hotellerie, Gastronomie und Freizeitwirtschaft: Die erste Dezemberwoche zeigt klare Tendenzen für die Wintersaison 2025/26. Mit stabilen Nächtigungserwartungen, dramatischen Personalengpässen und innovativen Lösungsansätzen zeigt sich die Branche widerstandsfähig – aber auch unter Druck. Dieser Newsletter fasst die 15 wichtigsten Meldungen der letzten sieben Tage zusammen und zieht Lernpunkte für Destinationen, Hotels und Gastronomiebetriebe.
Als Touristiker seit 35 Jahren sehe ich: Die Kombination aus stabiler Nachfrage, strukturellen Reformen und technologischen Innovationen definiert diese Wintersaison neu. Betriebe, die jetzt handeln, sichern sich Wettbewerbsvorteil.
ÖSTERREICH: Politik, Reformen und Infrastruktur
1. Kärnten reformiert Tourismusabgabe radikal – 4,50 Euro ab Mai 2026
Kärnten stellt sein Tourismusfinanzierungssystem fundamental um. Ab 1. Mai 2026 gilt landesweit eine einheitliche Aufenthaltsabgabe von 4,50 Euro pro Nacht (indexiert, also inflationsangepasst). Diese ersetzt die bisherigen, fragmentierten Orts- und Nächtigungstaxen. Davon fließen 90 Cent explizit in „touristische Mobilität“ – damit erhalten Gäste freie Öffi-Nutzung. Die bisherige maximale Belastung von 2,70 Euro wird nahezu verdoppelt.
Strategie-Tipp: Betriebe sollten diese Erhöhung präventiv kommunizieren. Die Gegenzahlung – kostenlose Mobilität – ist ein Verkaufsargument für Premium-Destinationen, die Ganzjahres-Erreichbarkeit versprechen. Parallel reduziert Kärnten die Zahl der Tourismusverbände von 125 auf zehn – Effizienz statt Wildwuchs.
2. Saisonkontingente auf 8.000 erhöht – 5.500 Standard + 2.500 Westbalkan
Mit 1. Dezember 2025 ist das allgemeine Saisonkontingent auf 5.500 Plätze erhöht worden. Zusätzlich wurden 2.500 Plätze für Arbeitskräfte aus Westbalkan-Ländern (Serbien, Montenegro, Nordmazedonien, Kosovo, BiH) geschaffen. Ein temporärer Überziehungsrahmen von bis zu 50 Prozent deckt Saisonspitzen ab – insgesamt stehen somit bis zu 10.750 Plätze zur Verfügung.
Handlungsempfehlung: Betriebe sollten Anträge sofort einreichen (ab 1. November möglich). Die Westbalkan-Route bietet neue Stabilität bei der Personalrekrutierung, wird aber im März 2027 evaluiert – Sicherheit auf begrenzte Zeit.
3. Rax-Seilbahn startet modernisiert in die Wintersaison
Die 1926 eröffnete Rax-Seilbahn in Niederösterreich startet nach Revisionsarbeiten am 6. Dezember 2025 in die Wintersaison. Die modernisierte Anlage befördert Gäste wieder im Pendeltakt in unter acht Minuten auf 1.545 Meter Höhe. Das Projekt symbolisiert die österreichische Strategie: Bestandsinfrastruktur digitalisieren und barrierefreier gestalten.
Destinationsstrategie: Investitionen in bekannte Sehenswürdigkeiten schaffen mehr ROI als völlig neue Attraktionen – Gäste kennen die Marke Rax bereits.
DEUTSCHLAND: Trendwende im Incoming – Weihnachtsmärkte als Treiber
4. Oktober-Übernachtungen stiegen um 4,1 % – DZT sieht Aufschwung
Im Oktober 2025 verzeichnete Deutschland 45,9 Millionen Übernachtungen (+1,2% YoY). Besonders erfreulich: Gäste aus dem Ausland buchten 7,3 Millionen Nächtigungen (+4,1% YoY). Die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) spricht von einer „Trendwende“ nach schwachem Jahresverlauf. Flugankünfte stiegen um 8,2 Prozent.
Märkte im Fokus: USA, Indien, Brasilien und arabische Emirate zeigen Vorausbuchungen über Vorjahresniveau. Weihnachtsmärkte sind der Treiber: 88% der befragten CEOs/Key Accounts positionieren Deutschland als starkes Weihnachtsziel; 78% vermarkten diese aktiv.
5. Hotelauslastung im Oktober auf 75,2 % – Raten +10,1 %
Deutsche Hotels verzeichneten im Oktober durchschnittlich 75,2 % Auslastung (vs. 72,3% im Vorjahr). Die Durchschnittsrate stieg auf 126 Euro (+10,1% YoY). Erstmals seit Monaten können Hotels wieder Preise erhöhen – ein Signal für Nachfragestabilität in der Vorweihnachtszeit.
Implikation für österreichische Betriebe: Deutsche Gäste sind traditionsgemäß bei Qualität sensibel, aber bereit zu zahlen. Wer Winter-Erlebnis + Wertschöpfung verbindet, profitiert vom deutschen Aufschwung.
SCHWEIZ & SÜDTIROL: Wintersaison mit Vorsicht
6. Schweiz erwartet Winter 2025/26 mit nur +0,9 % Wachstum
BAK Economics prognostiziert für November 2025 bis April 2026 nur 18,7 Millionen Übernachtungen (+0,9%). Das ist bedeutsam niedriger als die Sommersaison (+2,3%) oder Vorwinter (+2,8%). USA-Gäste verlieren an Schwung (erstmals nicht zweistelliges Wachstum seit 2021), Asien bleibt unter Vor-Corona-Niveau. Europa bleibt stabil (+0,9% auf 5,5 Mio. Übernachtungen).
Strukturelle Frage: Sind die Boom-Jahre 2022-2025 am Ende? BAK rechnet mit Strukturwandel: Australien, Kanada, Brasilien und Mexiko gewinnen relativ zu USA/China an Bedeutung.
7. Personalknappheit in Schweizer Berghotellerie massiv
In St. Moritz konnten von 80 neuen Saisonstellen bis Redaktionsschluss nur 20 besetzt werden. Die CEO der Laudinella Group berichtet: Schweizer Bewerber meiden die Berge (Entfernung, Winter, Wohnungsmangel). Die Hotellerie ist auf EU-Arbeitskräfte angewiesen – bei Wegfall der Personenfreizügigkeit drohten Personalkosten um 30-50% anzusteigen. Ein Hotel in Wengen setzt auf Schulung von Bestandspersonal und verbesserte Work-Life-Balance statt Neu-Recruiting.
Lesson Learned: Retention schlägt Rekrutierung. Betriebe mit guter Unterkunft, flachen Hierarchien und mentalen-Health-Fokus verlieren weniger Personal.
8. Südtirol-Weihnachtsmärkte 2025/26 – Authentische Tradition als Gegenpol
Südtirol positioniert seine Christkindlmärkte (Bozen, Meran, Sterzing, Bruneck, Brixen) als kulturelle Gegenpole zur Digitalisierung. Märkte laufen bis 6. Januar. Der Fokus liegt auf Handwerk, regionalen Spezialitäten und „Zimtduft statt Stress“. Das ist bewusste Saisonal-Verlängerung: November bis Januar volle Auslastung statt saisonale Lücken.
Destinationsstrategie: Authentische, regionale Erlebnisse sind nicht Nostalgie – sie sind Differenzierungsfaktor gegen „beliebige“ City Breaks.
TECHNOLOGIE & INNOVATION: KI, Nachhaltigkeit, Neugäste
9. KI in Hotels: 68% nutzen KI bei Reservierungen, 62% bei Marketing
Eine neue Studie zeigt: Drei Viertel der befragten Hotels setzen KI ein – allen voran bei automatisierten Reservierungen und Marketing. Auch CRM (51%) und Datenanalyse (49%) sind verbreitet. Text-Tools wie ChatGPT/Gemini dominieren (74%), gefolgt von Umsatzmanagement-Systemen (42%).
Haupthürden: fehlende Produktkenntnisse (39%), hohe Einführungskosten (35%), technische Komplexität (34%). Aber der Nutzen ist real: 76% berichten Zeitersparnis, 54% bessere Kommunikation, 51% höhere Effizienz.
KI-Trainer-Perspektive: Hotels brauchen keine Angst vor KI – sie brauchen pragmatische Einstiege: Chat-Bots für FAQ, automierte Angebots-E-Mails, Sentiment-Analyse von Bewertungen. Das ROI ist messbar.
10. Kitzbühel garantiert Schnee erstmals offiziell – 21. Dezember bis 14. März 2026
Ein Paradigmenwechsel: KitzSki ist das erste Nicht-Gletscherskigebiet Österreichs mit offizieller Schneegarantie. Skipasskäufer, die bis 20. Dezember online buchen, erhalten bei Schneemangel anteilweise Rückerstatung. Dahinter steht massive Infrastruktur-Investition: 1.260 Schneeerzeuger, 43 GPS-Pistengeräte, 10 Speicherseen, neue Kühlturmanlage für 2x schnellere Streif-Beschneiung. Budget 2022-2026: 30 Millionen Euro.
Sicherheit als Verkaufsargument: In Zeiten von Klimavolatilität ist technische Schneesicherheit ein echtes Differenzierungsmerkmal – nicht Gimmick. Betriebe sollten diese Investitionen deutlich kommunizieren.
11. Wellness-Tourismus 2026: Mentale Gesundheit statt Bio-Hacking
Der Wellness-Trend dreht sich: Weg von Optimierungsdruck und quantitativer „Biohacking“, hin zu Balance, Achtsamkeit und Regeneration. Neu sind Fokus auf Frauengesundheit (Menopause-Programme), kognitive Wellness (Brain-Training, Meditationen) und Familie (Wellness für alle Altersgruppen).
US-Trends zeigen: Sleep Optimization, Longevity Retreats, Mental-Fitness-Programme sind schnellwüchsig. Schweizer Hotellerie sollte diese Gäste gezielt adressieren – sie zahlen Premium und buchen länger.
MÄRKTE & TRENDS: Fernmärkte im Umbruch
12. USA-Gäste zahlen Premium, China unter Druck – Brasilien gewinnt
Österreichs Fernmarkt-Analyse zeigt: USA bleibt mit 2,38 Mio. Nächtigungen (+14%) Nummer eins, gefolgt von China (654.000 Nächtigungen, aber nur +1,5% statt früherer Boom-Raten). Neu: Brasilien und Mexiko erzielen doppelstelliges Wachstum. Nord- und Lateinamerika-Gäste geben durchschnittlich 341 (Nord) bzw. 296 (Latein) Euro pro Tag aus – doppelt so viel wie Europäer. Zielgruppe: authentische Bergerlebnisse, Kulinarik, Premium-Erlebnisse.
Handlung: Hotels sollten gezielte USA- und Brasilien-Pakete entwickeln: Kultur + Natur + gehobene Kulinarik. Diese Märkte subventionieren Nebensaison und Off-Peak-Auslastung.
MARKTLAGE GESAMTBILD
14. Wintersaison 2025/26: Stabile Nachfrage, aber herausfordernde Kostenstruktur
Zusammenfassung der Prognosen: 16,5 Millionen Menschen aus zehn europäischen Märkten planen Winterurlaub in Österreich – stabiles Niveau zum Vorjahr. Allerdings: Energiekosten haben sich seit 2019 verdoppelt, Personalkosten um 30% gestiegen. Spitzenhotels kalkulieren 4.700 Euro/Zimmer/Jahr Energie, 47.000 Euro Jahreskosten pro VZK.
Kernproblem: Nächtigungszahlen sind hoch, aber Betriebsgewinne unter Druck. Hotels müssen durch operationale Effizienz (KI, Automatisierung, Energieoptimierung) gegensteuern.
15. Incoming-Tourismus Deutschland: Weihnachtsmärkte retten die Q4-Bilanz
Nach wechselvollem Jahr zieht Deutschland in den letzten drei Monaten an. Flugvorausbuchungen aus USA, Indien, Brasilien bereits über Vorjahresniveau. Der Grund: Weihnachtsmärkte sind in 88% der befragten Tourismusagenturen strategischer Fokus. Das bedeutet: Dezember bis Januar ist keine Pause, sondern Hochsaison für international orientierte Destinationen.
FAZIT & HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN
Destinationen:
✓ Struktur reformieren wie Kärnten – weniger Verbände, mehr Schlagkraft.
✓ Fernmärkte gezielt entwickeln (USA, Brasilien) – sie zahlen Premium.
✓ Nachhaltigkeit kommunizieren – nicht als Verzicht, sondern als Wettbewerbsvorteil.
✓ Ganzjahrestourismus forcieren – Nebensaisonen sind neues Gold.
Hotels & Gastronomie:
✓ KI implementieren – bei Reservierungen und Marketing sofort ROI.
✓ Mitarbeitendenbindung über Retention – bessere Unterkunft, Flexibilität, mentale Health.
✓ Preisstabilität nutzen – October-Daten zeigen: Gäste zahlen wieder für Qualität.
✓ Wellness und Regeneration positionieren – nicht Bio-Hacking.
Makro-Erkenntnis:
Diese Wintersaison ist Wendepunkt: Weg von Volumen-Orientierung hin zu Qualitäts- und Effizienz-Play. Betriebe, die jetzt in Technologie, Personal-Retention und Nachhaltigkeit investieren, sichern sich für 2026-2028 echte Wettbewerbsvorteile.
SERVICE & KONTAKT
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Kontakt: kontakt@gernot-riedel.com
Jahrzehnte Erfahrung in Wörthersee, Gasteinertal, Kitzbüheler Alpen – jetzt digital.
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Ich wünsche Dir ein friedliches Weihnachtsfest und weiterhin viel Erfolg im neuen Jahr „Hartl“ und sein Florenz
Lieber Hartl,
das wünsch ich Dir auch, auf ein besinnliches Fest und alles Gute und vor allem Gesundheit fürs kommende Jahr!
Gernot