Über die Arbeitsverhältnisse und Bedingungen in der Gastronomie kursieren bekanntlich ja viele Geschichten. Wie immer wird in allem ein Körnchen Wahrheit liegen, und gleichzeitig ist aber sicher auch in vielen anderen Branchen nicht alles Gold, was anscheinend glänzt…

Kürzlich hatte ich selbst nunmehr die kurzfristige Gelegenheit, die Seiten zu wechseln. Während ich normalerweise VOR der Theke und VOR dem Wirtshaustisch sitze, konnte ich diesmal 3 Tage lang die Serviceseite und einen absoluten Perspektivenwechsel erleben. Um einer Freundin die sehr kurzfristige Eröffnung eines Lokals zu ermöglichen, habe ich zugesagt, ihr dabei im Service auszuhelfen. Zwar liegt meine diesbezügliche Erfahrung rund 35 Jahre zurück, als ich in Unizeiten in einem Grazer Speiselokal kellnerte, und mir so ein gutes Taschengeld und grundlegende Erfahrungen einsammeln konnte; aber was sollte mit der richtigen Einstellung und Motivation schon schiefgehen?

Gesagt-getan, rasche Einschulung in Orderman und Kasse, Kellnergürtel umgeschnallt und – los gings!

Erfolgsfaktoren in der Dienstleistung

Um gleich vorweg ein kurzes Resümee zu ziehen – es war eine fantastische Erfahrung, und dies aus aus einigen Gründen, auf welche ich hier kurz eingehen möchte. Gleichzeitig darf ich auch einmal mehr eine Lanze für die Branche, die Dienstleistung und auch die „Freude am Dienen“ brechen.

  • Teamgedanke – von Küche bis Service, hatten wir vor diesen 3 Tagen noch nie zusammengearbeitet, waren teilweise nicht einmal vom Fach. Eines hat aber alle geeint: wir wollten an diesen 3 Tagen unsere Gäste nicht nur zufriedenstellen, sondern begeistern – und das ist uns laut Feedback auch zu 99,9% gelungen! Und jede:r ist für den anderen eingesprungen, wenn und wo es auch notwendig war, keiner war sich zu gut, auch mal den Müll wegzutragen….
  • Wertschätzung – es geht nicht darum, WAS wir tun, sondern WIE wir es tun, und WIE wir mit anderen umgehen. Jede:r hatte in diesem Team (s)eine Rolle, und JEDE Rolle war wichtig für das Funktionieren des gesamten Teams und somit auch des nach außen erlebbaren Ergebnisses
  • Einstellung – allen Beteiligten war die Freude am Tun deutlich anzusehen. Egal ob Küche, Abwäscher, Service oder Schank- jeder war mit Freude und Motivation am Werken, und diese innere Einstellung strahlt klarer Weise nach außen.
  • Vertrauen – sowohl gegenüber sich selbst und der eigenen Leistungsbereitschaft, aber auch gegenüber den anderen Teammitgliedern, Vertrauen aber auch von „oben“, dass wir das schon schaffen werden! (in diesem Fall vorab mit einem großen Fragezeichen, da wir uns beinahe alle nicht kannten, nicht wussten, wie der/die andere tickt und funktioniert….)
  • Positives Feedback – in Österreich gibt’s den eher zweifelhaften Spruch: „nix gsogt is globt gnua“ (hochdeutsch: nichts sagen ist Lob genug ) – umso erfreulicher war für uns als gesamtes Team natürlich, dass wir klar artikuliert von Gäste- und Chefseite positives Feedback bekamen, welches uns in diesem Moment auch im eigenen Tun bestätigte und animierte…
  • Freundlichkeit und Freude am Menschen – wir alle hatten nicht nur sichtbare Freude am Tun, sondern dies kam auch beim Gast so an. Ein kleiner Schmäh dort, ein bissl Smalltalk da, ein freundlicher Gruß oder Lächeln – und alle Beteiligten sind und waren happy! Und obendrein konnte ich selbst auch viele neue Menschen kennen- und schätzen lernen, sowohl auf Gäste wie auch Teamseite….
    Aus Gästesicht habe ich mir in der Vergangenheit schon mehrmals gedacht, wie schwer sich doch so manche Service- oder Rezeptionskraft, Seilbahnmitarbeiter oder Dienstleister das Leben macht, wenn die vom Kunden erwartete Freundlichkeit fehlt – und als Resultat daraus fehlt´s klarer Weise auch am Trinkgeld, am positiven Feedback, welches wohl jeder von uns gerne hört!

Ich könnte hier jetzt wohl noch weitere positive Aspekte meiner Selbsterfahrung einfließen lassen, möchte aber ein Fazit aus diesen Erkenntnissen ziehen.

  • Die Arbeit am und mit dem Gast kann also, einmal mehr aus eigener Erfahrung bestätigt, absolut Freude machen – es liegt an der jeweiligen Person selbst, mit welcher Einstellung man bei meiner Arbeit tätig ist!
  • Wenn die Rahmenbedingungen passen, alle Beteiligten wollen, entsteht trotz teilweise stressiger Phasen eine sehr positive Dynamik, welche sich auf ALLE Beteiligten übertragen lässt und somit absolut sinnstiftend auswirkt!
  • Dienstleistung lebt von Emotion, so wie man selbst, egal auf welcher Seite, in den Wald hineinruft, kommt es auch wieder retour…

All jenen Betrieben und Dienstleistern, denen es gelingt, ihr Team und somit ihre Gäste schon jetzt in den richtigen „Flow“ zu bringen, braucht sicher auch in Zukunft nicht bange zu sein – und für alle anderen kann vielleicht dieser kurze Artikel Ansporn und Motivation sein, genau an den hier angeführten Punkten zu arbeiten – viel Erfolg dabei!

Und auch wir alle auf der Gästeseite können absolut einen Beitrag dazu leisten, dass wir uns in Zukunft nicht selbst bedienen werden müssen, sondern Menschen mit Freude und Begeisterung dafür sorgen, dass wir etwas zu essen und trinken bekommen….

♥PS: .und ich hatte KEINE EINZIGE Minute das Gefühl, hier eine „minderwertige“ Tätigkeit auszuüben – ganz im Gegenteil gab es nahezu minütlich die Gelegenheit, anderen Menschen eine Freude zu bereiten und von Mensch zu (Mit)Mensch zu kommunizieren….


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